Leserbrief zu: Türkische Männergruppe – SPIEGEL ONLINE

Türkische Männergruppe: “Liebe, was ist das überhaupt?” – SPIEGEL ONLINE


Bei den Gesprächen komme oft Überraschendes heraus: 95 Prozent aller Gewalt gehe von Männern aus, aber es gebe eben auch den umgekehrten Fall. “Hier bei mir haben Männer gesessen und geweint wie kleine Kinder, weil sie von ihren Frauen körperlich malträtiert wurden. Wissen Sie, was es heißt, wenn ein türkischer Mann weint?”

Eine einzige Frau sitzt in der Runde, sie begleitet heute ihren Sohn, der um das Sorgerecht für seinen zweieinhalbjährigen Sohn kämpft. Jetzt erklärt sie ihre Sicht der Dinge: Junge Türkinnen in Deutschland würden sich ihre Opfer aussuchen, sich von ihren Auserwählten die Wohnung luxuriös einrichten lassen, um schließlich den Ehemann vor die Tür zu setzen. Ihnen ginge es nur darum, eine möglichst pompöse Hochzeit zu haben, in der Klatschpresse abgebildet zu sein. “Sie beuten die Männer aus”, sagt die Frau, in ihrer Stimme schwingt Bitterkeit mit.

Leserbrief an SPIEGEL ONLINE:

An die Redaktion des SPIEGEL ONLINE

betrifft: Artikel “Türkische Männergruppe:
“Liebe, was ist das überhaupt?””

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich werfe Ihnen Desinformation über die Realität der Täterschaft bezüglich häuslicher Gewalt vor.

Das ist mehr als schlechter Journalismus, mehr als unverantwortlicher Journalismus, das ist fahrlässige Entstellung der international wissenschaftlich erhobenen und abgesicherten und problemlos zugänglichen Informationen über Fakten. Daß Deutschland und andere europäische Staaten sich vor der repräsentativen Erhebung relevanter Daten bis dato drücken, ist dabei irrelevant, da die Vielzahl der amerikanischen, britischen und sonstigen englischsprachigen Untersuchungen eine eindeutige Sprache sprechen und zum Teil sich auch auf internationale Stichproben beziehen.

Ich halte die unkommentiert zitierte Behauptung, “95 Prozent aller Gewalt gehe von Männern aus, aber es gebe eben auch den umgekehrten Fall” für einen Fall von unethischer Berufsausübung. Sinngemäß wäre von Volksverhetzung zu sprechen bzw. von “sexualrassistischer” Hetzpropaganda.

Es ist eben gerade nicht ein seltener Ausnahmefall, daß Männer Opfer der situativen oder systematischen Gewalttätigkeit ihrer Frauen oder Freundinnen werden!

Die Eckdaten sind wie folgt zu nennen: Frauen und Männer sind gleich häufig Täter und Opfer bei Gewalttätigkeit zwischen Partnern, mit einem tendenziellen Überhang der Frauen als Initiatoren. Die Gewalt gegen Kinder, inklusive der tödlichen Gewaltakte, wird überwiegend von Frauen (Müttern) ausgeübt.

Einige seriöse Standardlinks zum Thema wären:
mediaradar.org
safe4all.org
nfvlrc.org
favtea.com

Eine gute Zusammenfassung der gegenwärtigen Ergebnislage und Forschungsthemen bieten die Vortrags- und Workshopankündigungen einer Expertenkonferenz im Februar 2008: http://www.favtea.com/Docs/
NFVLRC_2008.Pre_Anounce__conf_flier_Clean.pdf

Als politisch und gesellschaftlich verantwortlicher Leser wie als Klinischer und Gesundheitspsychologe hoffe ich und erwarte ich von Ihrer Redaktion, den Wissensstand zum Thema “häusliche Gewalt” trotz aller Tabuisierung von seiten der politischen Kräfte und ideologischen Positionen von Feminismus und Frauenbewegung und der sogenannten Helferindustrie seriös zu recherchieren und zu berichten.

In der unverbesserlichen Hoffnung auf einen emanzipatorischen Journalismus

mit freundlichen Grüßen

Antwort von SPIEGEL ONLINE:

Liebe Leserin / lieber Leser,

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http://www.spiegel.de/kontakt/

Vielen Dank und weiterhin viel Spaß mit SPIEGEL ONLINE.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr SPIEGEL-ONLINE-Team

Kurzkommentar:

Wenn es um Spaß gehen soll, lese ich SatireMagazine oder schau’ mir Kabarett im Fernsehen oder lustige Werbevideos auf Youtube an, aber ein Nachrichtenmagazin lese ich aus anderen Motiven. Die Redaktion von SPIEGEL ONLINE sieht einen Leser wie mich offenbar als Exemplar einer marginalen Minderheit, beziehungsweise versteht ihre Publikation als Spaßvermittlung. Nun wundert mich die kritisierte “sexualrassistische Volksverhetzung” weniger. Journalistische Qualität der Recherche und Verantwortlichkeit für weitergegebene Faktenbehauptungen zu brisanten sozialen und politischen Themen sind für ein Spaß vermittelndes Magazin weder vorauszusetzende noch profitable noch qualitative Kriterien.

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