Makakenschande

Es ist die größte Lächerlichkeit der Menschheitsgeschichte, daß die Leute so tun, als könnten Mann und Frau nicht zufrieden zusammenleben, sondern würden am Zusammenleben so leiden, daß in jedem zweiten Fall die Trennung notwendig wird, um das Glück des Einzelnen zu retten.

Es ist nicht nur eine Illusion, sondern ein frivoles Kasperltheater von Leuten, die vor lauter Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit nicht mehr wissen, mit welchen eitlen Empfindlichkeiten sie sich täglich neu zieren sollen, um sich ihrer Herrlichkeit zu vergewissern.
Dieses Affentheater, für das sich selbst Makaken schämen würden, von Schimpansen, Oranggutans und Gorillas abgesehen, das unter der Würde jeden Neandertalers wäre, vom Cromagnonmenschen gar nicht zu sprechen, das so peinlich dumm ist, daß selbst Kieselsteine darüber kichern und Geysire sich vor lauter Lachen prustend verschlucken, ist die Krönung der Zivilisation, vermeinen die Akteure.
An der scheinbaren Unfähigkeit zum Zusammenleben messen sie den Fortschritt der Kulturen und schließen auf die Überlegenheit ihrer eigenen. Dorthin, wo Mann und Frau gut miteinander auskommen und das für selbstverständlich halten, phantasieren sie einen Mangel an Empfindsamkeit, eine Vermeidung und Verdrängung von Unglück, eine Dumpfheit der Seelen, ein Meer ungeweinter Tränen hinter Dämmen der Selbstvergewaltigung, eine jahrtausendelang erzwungene Selbstunterdrückung, einen verblendeten heroischen Verzicht auf Selbstachtung und Selbstbehauptung.
Sich selbst erklären sie zur kulturhistorischen Crème de la Crème, zur Avantgarde der verfeinerten Selbstbewußtheit, zu den Missionaren dieser Epoche, berufen, die Dumpfen der Erde zum strahlenden Licht ihrer Klarheit zu erwecken, damit die armen zurückgeblieben Seelen endlich auch erkennen, was die unfrohen Botschafter im stolzen Waffenrock des wahren Leidenskostüms verkünden: Froh zu sein, ist viel zu wenig, nur wer frustriert ist, wird ein König! Eigentlich: Eine Königin, eine Queen, eine Diva, der die Göttin aus den Poren glitzert, daß ihr die verloren umherstreunenden, abgehalfterten Häupter der Familien dankbar wären, wenn sie ihr zumindest ab und zu die Stilettos benannten Stöckelschuhe küssen dürften.
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