Viktorianischer Tugendterror im Parlament

Strauss-Kahn-Reim: ÖVP stellt sich hinter Großruck

“Obwohl er schon ein reiferer Mann, zeigt Dominique Strauss, was er noch kann.” Mit diesem Reim über IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat der VP-Abgeordnete Wolfgang Großruck im Nationalrat für einen Eklat gesorgt. Die Grünen forderten seinen Rücktritt.

Davon will die ÖVP aber nichts wissen. Für VP-Klubobmann Karlheinz Kopf ist die Causa nach einer “ehrlichen Entschuldigung” Großrucks und einem persönlichen Gespräch erledigt.

Das war der Eklat:

Grünen-Chefin Eva Glawischnig zeigte sich fassungslos, dass eine versuchte Vergewaltigung als Leistung für einen älteren Mann dargestellt worden sei. Sicherheitssprecher Peter Pilz forderte den Rücktritt Großrucks. BZÖ-Mandatar Gerald Grosz sprach von einem “Schandstück”, auch SP-Frauensprecherin Gisela Wurm befand Großrucks lyrisches Abenteuer für inakzeptabel.

Keine Hilfe gab es aus den eigenen Reihen. VP-Klubchef Karlheinz Kopf distanzierte sich vehement vom Reim seines Abgeordneten.

Könnte man mich sehen, ich zeigte mich fassungslos, daß ein versuchter Herrenwitz eines älteren Mannes eine Frau Chefin dazu bringen möchte, sich aus der Fassung zu zeigen. Jedenfalls, wenn sie älter als 15 ist und nicht erst gestern von einem verträumten Einschichtbergbauernhof ohne Satellitenantenne und Handyempfang in die ohne politische Skandalisierung angeblich Urbanität konstituierende pornographische Hölle der Privatfernsehsender und ihrer obszönen Werbung für Handypornos rund um ihren Chefinnensessel gehüpft.

Der Herr Sicherheitsprecher dürfte aus Mangel an Selbstversicherung über das Männerrecht und Menschenrecht auf anzügliche Witze seine Unsicherheit im drakonischen Kavaliersreflex erfolgreich überkompensiert haben. Das nächste Mal soll er so einen Defraudanten zum Duell auf der Praterwiese fordern, er kann ihm ja irgendein Parteiprogramm um die Ohren hauen, wenn er keine Handschuhe mit hat. Es wird sich schon eins finden mit,”Wer den menschlichen Humor will, muß den männlichen überwinden!”

Der Herr BZÖ-Mandatar ist vielleicht ein Gerry und kann seine Heterophobie nicht besser unter Kontrolle halten, vielleicht ist er auch nur anfällig für Reminiszenzen zur “Rassenschande”, seit die höhere Geschlechtsrasse das Vorsagen zugeteilt kriegt.

Die Frau Frauensprecherin, nun, was bleibt ihr als “igittigitt”, wenn es komprimiert um beide Komprimittierungen geht, die schon unsere gnädigen Frauen Urgroßmütter in der Öffentlichkeit jenseits des Ereignishorizontes einer Dame reklamierten, den Trieb und den Humor.

Aus den eigenen Reihen, meiner Seel’, da hat sich die Schreckstarre zum “Stillgesessen!” in Reih’ und Glied erhoben, so daß man nicht weiß, wie geschmacklos man formulieren soll, damit man das emanzipatorische Potential der Parteisoldaten nicht über- und das kadavergehorsame nicht unterfordert. Vielleicht so, na, wer Karlheinz angesprochen wird, der wird kein Revoluzzer! Das weiß man doch aus den Pantoffelheldenwitzen der Illustrierten der 60er Jahre. Ein Emanzer, ja, dafür ist es nie zu spät.

Wenn nur die zögerliche Männerrevolte keinen unvorhergesehen Schub bekommt durch die Eskalation der grotesken Frauenarschkriecherei der assortierten Parlamente zwischen Alaska und Feuerland. Man hört ja, dann gnade Gott den Feministen, die Befreiung und die folgende Entfeminazifizierung wird die ohne -femi- als patscherten Mulatschag dastehen lassen.

Die vaginale Hegemonie der globalen Monologe wird ebensowenig zum 1000-jährigen Reich der Herrinnenrasse führen wie die Brachialpropagandamaschine von einst zu dem der Herrenrasse.

Das können sich die global vernetzten Autokraten nicht vorstellen, aber so ist der Effekt einer positiven Rückkoppelungskette, in der sich Politiker und Journalisten gegenseitig nach dem Mund reden und der Rest diesen genauso eingeschüchtert hält wie die ÖVPler im casus belli oben.

Das konnten sich die Sowjetapparatschiks auch nicht vorstellen, und aus dem gleichen Grund.

So wie sich keiner eine weltweite Finanzkrise vorstellen konnte, und noch immer alle so tun, als wäre eine Weltwirtschaftskrise jenseits des Denkbaren, jedenfalls eine von der Dimension von 1929 oder gar eine noch viel schlimmere.

Wenn man die Ignoranz des Kasperltheaterpersonals bezüglich des Humors der Leute, die sie als Wähler aquirieren wollen, indem sie viktorianischen Tugendterror vorführen, zum Maßstab nimmt, kann man das Platzen der Blase des Geschlechtskastenpopulismus schon knallen hören.

Die Unberührbaren von heute werden einen Ghandi an jeder Straßenecke brauchen und eine Armada von Dronen über ihnen, um sie in Schach zu halten.

Bis dahin werden die Herrinnen weiter Schokolade einfordern und Sklavenköpfe rollen lassen, weil Humor die Kastenordnung bedroht.

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