Verstockte Jugend?

Jede zweite junge Frau wäre gerne Hausfrau

Eine Studie des Familienministeriums zeigt, wie sehr Jugendliche in traditionellen Rollenbildern denken. Beruflicher Erfolg wird bei Männern im Mittelpunkt gesehen, Familie bei den Frauen.

(DiePresse.com)

Jede zweite junge Frau wäre gerne Hausfrau, wenn der Mann genug verdient

Drei Viertel der Befragten 14- bis 24-Jährigen wollen eine Familie gründen – Häusliche Kinderbetreuung bevorzugt – Filzmaier: Jugend war schon immer konservativer als angenommen.

(DerStandard.at)

Ach ja, eine der unzähligen  Studien über die Wünsche, Träume und Sehnsüchte von Frauen, diesmal mit dem Schwerpunkt auf den Zukunftsvorstellungen von jungen!

Halt, nein, es geht nicht nur darum, was Frauen gerne hätten, gerne wären, gerne könnten. Es sind nur die Überschriften, die das vorgeben. Mehr noch, die tapfere Zeitung für Leserinnen schafft es sogar über den ganzen ersten Absatz hinweg, der eine etwas informativere Zusammenfassung des Artikels darstellen soll bzw. eine etwas ausführlichere Überschrift, den Leser, nein, (es ist, wie beworben, eine Zeitung für Leserinnen – na und, also) die geschätzte Leserin im gewohnten süßen Glauben zu halten, die Welt dreht sich, sofern sie sich rechtens bewegt, um sie und ihresgleichen, weil ja schließlich 2000 oder 5000, wenn nicht gar 7 Millionen Jahre unrechten Drehens aufzuholen sind.

Das hat die fortschrittliche Zeitung der nachhinkenden voraus, die ausgefeilterte Kunst des Spins in allen Schreiblagen. So einfach ist es schließlich auch wieder nicht, eine Studie über die Einstellungen junger Menschen zur Familie als Frauenforschungsprojekt an die Zielgruppe zu bringen. Schon gar nicht, wenn das unverschämterweise männlich geleitete überflüssige Ministerium für Familien und Jugend sich nicht untersteht, dem Ganzen einen sexistischen Titel zu geben: Der Jugendmonitor! Wie wäre es zur längst anstehenden Abwechslung mit die Jugendmonitor? Die Standard ging ja auch ohne ernste Proteste rein! Wo bleibt der gendergerechte Mut, Herr Minister? Angst vor starken weiblichen Artikeln?

Aber mit ein bißchen gutem Willen lautet die erste Zeile der Überschrift im Standard (oben nicht zitiert) JUGENDSTUDIE und nicht Jugendmonitor, und so klein und nicht fett gedruckt, daß es (keinem, nein,) keiner auf den ersten Blick auffällt im Kontrast zu:

Jede zweite junge Frau …

Und was ist mit jeder zweiten jungen Frau, was uns interessieren soll?

Na, was schon, was sie gern wäre!

Supermodel? Eurosongkontestsiegerin? Beyoncé? Angelina Jolie? Oder doch lieber Lady Gaga? Michelle Obama vielleicht, die mächtigste Frau der Welt?

Gott, was für patriarchale Rollenzuschreibungen, kann ich nicht ein einziges Mal den degoutanten male gaze abstellen? Also, ich reiß’ mich zusammen:

Bundeskanzlerin? Vorstandsvorsitzende von Google, Facebook oder Microsoft? Astronautin? Physiknobelpreisträgerin? Kommandantin der internationalen Truppen in Afghanistan?

Schneck’n! Da gibt man sich die tugendhafteste Mühe, wie sie einem Kavalier und Gentleman alter Schule nicht honoriger anstehen könnte, und was ist der Lohn dafür?

… wäre gern Hausfrau

Nein, das glaub’ ich nicht. Das kann man mir doch nicht weismachen. Da muß was schiefgelaufen sein mit der Methodik der Studie, die falschen Fragen im falschen Kontext, irgendwas in der Art, da gibt es jede Menge an Fehlerquellen, die irgendeinen Bias der Untersucher abbilden, das kennt man doch.

Na, bitte, einmal nachschauen und schon wird es offensichtlich: eine Frauenquote von nur 33.33 Prozent bei den Präsentatoren, und wenn man den Auftraggeber dazurechnet, kommt man auf eine hoffnungslose Unterrepräsentation des weiblichen Geschlechts von 25 Prozent! Da braucht man sich nicht mehr wundern über Ergebnisse, die eine freiwillige Rückkehr der jungen Frauen zu den drei Ks insinuieren sollen. Daß sie die mühselige Feldarbeit typischerweise einer alleinarbeitenden Soziologin aufgehalst haben, paßt so traurig perfekt ins reaktionäre Bild, daß man sich über keins der “Ergebnisse” mehr wundern muß!

Ich laß’ nicht locker bei der kritischen Analyse, wenn ich mich erstmal dafür entschieden habe, denn dazu ist mir der Kampf gegen Rechts zu ernst: Nächster Punkt – die bekannt reaktionäre Presse unterschlägt in der Überschrift, was uns der bekannt fortschrittliche Standard gottseidank mitteilt:

… wenn der Mann genug verdient

Na also, so ist das. Es gilt nur für die mehrfach zahlenmäßig eingeschränkte Gruppe der erstens heterosexuellen, zweitens ehewilligen oder zumindest partnerschaftswilligen jungen Frauen, die drittens die modernen Methoden der Mutterschaft wie anonyme Spermienspende und going alone nicht in Anspruch nehmen möchten (wohl aus Mangel an Aufklärung) und viertens sich einen Topmanager als Partner vorstellen, die einzige Berufsgruppe, deren Ehefrauen trotz hoher Berufsqualifikation zuhause bleiben. Eine handvoll Befragte sind das somit nur.

Zwischenbemerkung:

Man kann mir Einseitigkeit und Verschrobenheit vorwerfen, sogar Unausgewogenheit der Analyse, weshalb ich noch einen weiteren Schwenk der Sichtweise vorlege:

Die Antworten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden unisono mit einem kaum verhohlenen “Pfui Teufel, das sind ja traditionelle Rollenbilder!” quittiert. “Um Himmels willen, die Jugend ist ja reaktionär!”

Dahinter steht nicht nur eine Gleichschaltung der Medien und öffentlichen Stellen, wie sie historisch nur aus sozusagen offiziellen Diktaturen und Tyranneien bekannt war, bevor sich die Weltpolitiker seit der ersten   Weltfrauenkonferenz 1975  auf die feministische Linie verpflichteten, sondern daraus eine radikale Abgehobenheit nicht nur des Diskurses sondern der Orientierung und Position, ein in den ideologischen Utopien und Phantasien Kreisen, die man pflichtschuldigst und unmündig in Selbstzensur – den Frauen zuliebe – zum Normativ und zur Norm spintisiert und diktiert hat.

Wofür man eigens den Begriff “sozialen Wandel implementieren”, ein ebenso oxymoronisches wie orwellsches semantisches und performantes Untier aus der Tiefe der gynoservilen Amoralität, ergänzt durch die Kennzeichnung der neodemokratischen Vorgehensweise mit “top-down”, heraufbeschworen hat. Und nein, die Assoziation zur Metaphorik der Apokalypse ist weder ungewollt noch unbedacht, und nicht hysterisch. Sie ist nur im hysterischen Modus der erkenntnisträchtigen Fruchtbarkeit entzogen.

Dagegen zu halten ist mit tatsächlicher und demokratisch seit Jahrzehnten überfälliger Berechtigung zur moralischen, ethischen und staatsbürgerlichen Empörung: “Pfui Teufel, das sind ja stalinistische Kommentare!” und “Um Himmels willen, die Öffentlichkeit ist ja doktrinär!”

Worum es geht: die telefonische Befragung “Jugendmonitor 2011” (pdf), davon ein Ausschnitt der Ergebnisse:

Eingefügt im blinden Vertrauen auf die Mündigkeit des Lesers, den subversiven Charakter der Ideen dieser mißratenen Jugend , von der der größte Teil, nämlich der ab 16, wählen gehen, und der immer noch überwiegende, nämlich der ab 18, sich wählen lassen darf – bei uns im ersten abendländischen Kinderandiemachtland, selber zu begutachten.

Immerhin müßte nicht nur die gesamte Politik, Gesetzgebung und Rechtsprechung zu Ehe-, Eltern- und Familienangelegenheiten, sondern auch die Ordnung der Arbeitswelt und die Arbeitsmarktpolitik radikal vom feministischen Kopf auf die familialistischen Füße gestellt werden, wollte man eine herstellen, welche den befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen diese Vorstellungen zu verwirklichen ermöglicht.

Wenn man bedenkt, daß die Burschen und Mädchen seit sie in den Fernseher, in den Computer und auf die Plakatwände schauen, einem Trommelfeuer der Kinder-, Väter- und Familienfeindlichkeit von der Seite des Staates und aller Parteien ausgesetzt waren, von der Indoktrination seit dem Kindergarten und der Volksschule überhaupt abgesehen, sind einige der Antworten direkt revolutionär.

Aber eben nur einige. Das Gezetere von den Grünen bis zur ÖVP bezieht sich vor allem auf das Desinteresse an Tagesmüttern, Säuglingshorten und Kindergrippen, das der aktuellen Politik zuwiderläuft. Der Umstand, daß ca. die Hälfte der Mädchen und zwei Drittel der Burschen sagen, sie möchten einmal keine Kinder haben, ist das Tragischte, was man einer Gesellschaft bieten kann. Und darüber hat man keinen Politikeraufstand  gemacht, dazu wird keine Erschütterung laut.

Dafür ist die Politik zur Rechenschaft zu ziehen! Dafür ist die Gesellschaft zur Rechenschaft zu ziehen, das ist das Nichtgenügend für die Erwachsenen von Heute!

Drei Viertel der Befragten 14- bis 24-Jährigen wollen eine Familie gründen

ist offensichtlich eine falsche Behauptung des Standard: Es sind nur 55 Prozent bei den Mädchen und nur 36 Prozent bei den Burschen, die Kinder wollen. Und von diesen sind es wieder nur 55 Prozent Mädchen, die zuhause bleiben würden, wenn der Mann genug verdient, und es sind 34 Prozent der Burschen im umgekehrten Fall. Die Frage bezieht sich auf, “sich um den Haushalt und die Kinder kümmern”, also nicht auf Paare ohne Kinder. (Jugendmonitor: S 15)

Jede zweite junge Frau wäre gerne Hausfrau … wenn der Mann genug verdient

ist somit ebenfalls sowohl in der Presse als auch im Standard eine falsche Behauptung! Was die Frage aufdrängt, was der Zweck der Falschdarstellungen der Umfrageergebnisse sein mag. Der Effekt belegt die beabsichtigte Sensationshascherei, die kaum verhohlene Entrüstung “traditionelle Rollenbilder!” und “die Jugend ist konservativ!”, von grüner Seite im Standard gleich als reaktionär und tatsächlich als zurückgetrieben an den Herd interpretiert, als Ausholen zur Forderung nach mehr Propaganda, Indoktrination und Umerziehung zur neoliberalen globalen Allparteienlinie: Frauen in die Wirtschaft, Kinder in den Hort, Männer in die Ecke!


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