Frau ersticht Ehemann

Sowas sagt man nicht. Man sagt auch nicht ermordet, man sagt auch nicht Totschlag. Man sagt überhaupt nicht Frau im Titel, wenn eine ihren Mann absticht. Das verstößt gegen das informationelle Selbstbestimmungsrecht des benachteiligten Geschlechts.

Beim privilegierten Geschlecht ist das naturgemäß ganz was anderes, da sagt man schon mal, Mann erschießt Ehefrau. Und erst nach ein paar Absätzen rückt man damit heraus, daß es das war, was man, wenn man ein patriarchales Schwein wäre, als Doppelselbstmord bezeichnete. Kurz, daß der alte Mann zuerst seine Frau erschoß und anschließend sich selbst, geht vorrangig die Polizei was an und den Leichenbeschauer, oder!

Fragen Sie die Frau Frauenstadtrat Frauenberger oder lesen Sie’s auf ihrer Netzseite nach. Da hat sie eine Anleitung für Reporter, wie man gleichstellend frauengerecht formuliert. Das glauben Sie nicht, daß bei uns heute die Medien von der Politik öffentlich zur Selbstzensur und Gleichschaltung angehalten werden? Aber ich bitte Sie, besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Und in Zeiten der noch immer nicht vollständig ausgemerzten patriarchalen Weltgeschichtsverschwörung stellen sich anständige Frauenvolksgenossen ohne falsche eigenbrötlerische Scham unter die Führung der frauenvolkstreuen Partei, solidarisch und mit Trillerpfeifen.

Deswegen sollten sich dilettierende Freizeitjournalisten auf ihren umstreitbaren Blogs an der Professionalität der Presse ein Beispiel nehmen, denn so geht das:

Ehestreit in Wien-Penzing endete tödlich

Ergebnisoffene Schlagzeilen, das ist die geschlechtersensible Zukunft der Berichterstattung. Die marginalisierten Minderheiten haben schon genug Ausgrenzungen zu ertragen, da braucht man nicht noch eins draufgeben und frauenverachtende Stereotypien verbreiten, die weibliche Selbstverteidigung kriminalisieren. Die Polizei hat das geschlechtergerechte Informationsmanagement gottseidank schon integriert, vor allem dank des unermüdlichen Einsatzes starker Frauen aus den Frauenhausvereinen, die zu den Beamtinnen und Beamten vorort gehen und Fortbildungen in Gendermainstreaming und Gleichstellungsbewußtsein anbieten:

Die Polizei fand gegen 20.25 Uhr in einer Wohnung in der Baumgartenstraße die Leiche eines 41-Jährigen Mannes, der Brustverletzungen durch ein Messer aufwies. Seine Ehefrau (49) wurde wegen Mordverdacht von den Kriminalisten festgenommen, berichtete Polizeisprecherin Manuela Vockner.

Das ist nun mal die bürokratische Dienstpflicht, na gut. Aber man beachte, wie man aus diesen Umständen frauenfreundliche Sachverhaltsdarstellungen ableiten kann, indem man der traumatisierten Frau eine Stimme gibt, die der Polizei nämlich:

Dem tödlichen Stich waren offenbar ein Angriff des 41-Jährigen auf seine Partnerin und ein Handgemenge vorausgegangen.

“Offenbar” sagt man. Wer oder was, Mensch oder Orakel, die Quelle dieser Offenbarung ist, muß man ja nicht dazuschreiben. Und fragen tut keiner danach, nicht einmal sich selbst. Soviel Zeit nehmen sich Leser nicht, weder die Reporter bei der Lektüre von Polizeiaussendungen noch die Zeitungsleser, die online am allerwenigstens.

Nach der hinführenden Einleitung kann man danach ohne Umschweife zur Sache kommen, die nur ein professioneller Medienkritiker oder ein haarspaltender Laie als blanke Manipulation analysieren würde, und dann nur einer, der der Sache der Frau feindlich gegenübersteht, was aber kein anständiger und schon gar kein fortschrittlicher Bürger der Zivilgesellschaft tut.

Nach Angaben der Polizei vom Sonntag hatte der 41-Jährige in der Küche der gemeinsamen Wohnung in der Baumgartenstraße die Frau am Hals gepackt, worauf sie zu einem Messer griff.

Nur ein mieselsüchtiger, obergescheiter Itüpferlreiter rauft sich die Haare, wenn ihm auffällt, daß die Polizei sich nicht scheut, die Geschichte der Frau als eigene auszugeben, als scheinbare Rekonstruktion des Tatherhangs. Nur so ein kleinkarierter Spießer würde beanstanden, daß “nach den Angaben der Frau” als Vorbemerkung die conditio sine qua non wäre, um die Aussendung zu rechtfertigen, mangels derer sie in die Kategorie der Irreführung der Öffentlichkeit fällt.

Als ob die arme Frau nicht schon gestraft genug wäre dadurch, daß sie ihren Mann verloren hat, würde man ihr damit zum Schaden noch den Spott angedeihen lassen, daß man die Aussage einer Mordverdächtigen hinstellt, als wäre es wahrscheinlich, daß sie genau so eine Geschicht erzählt. Eine nämlich, in der ihr schlimmstenfalls Notwehrüberschreitung angelastet werden könnte. Statt Totschlag.

Von Mord sowieso nicht zu sprechen, das versteht nicht einmal der schlimmste Menschenfeind, wieso oder seit wann der Begriff Mord für das Abstechen im Zuge eines Streits überhaupt heraufbeschworen wird. Jedenfalls nicht, wenn nicht von vorangegangenen Morddrohungen oder -ankündigungen die Rede ist, oder davon, daß sie schon mit dem Messer auf ihn gewartet hat. Wobei aber auch dabei der Umstand der Betrunkenheit auf Affekt als Auslöser schließen ließe. Was weiß ich, vielleicht heißt es ja Mord im Affekt in der tatsächlichen juristischen Formulierung.

Zurück zur Aussendung: Die Polizei weiß nicht einmal, wieviel Stiche sie ihm zugefügt hat, hat aber den Verdacht, es war nicht nur einer, sonst würde sie das nicht thematisieren. Sie hat nichts als die Leiche mit den Stichwunden und eine Frau, die zugibt, oder zusätzlich deren Fingerabdrücke und Blutspuren, die darauf schließen lassen, daß sie das Messer geführt hat. Dazu noch Zeugenaussagen über Streitszenen schon davor und die Rufe der Frau aus dem Fenster, daß sie Hilfe brauche.

Trotzdem entblödet sie sich nicht, die Geschichte über den Würgeangriff und den darauf erst folgenden Griff nach dem Messer als Tathergang zu verbreiten. Es wird aber noch frivoler:

Daraufhin sei es zu einem Handgemenge gekommen, dabei habe der 41-Jährige eine Stichverletzung im Brustbereich erlitten, teilte die Polizei in einer Aussendung mit.

Als hätten sie eine Videoaufnahme davon gesehen, behaupten sie das. Ganz besonders interessant in solchen manipulativ verfaßten Darstellungen ist die sprachliche Ausdrucksform:

So hat er sie am Hals gepackt, aber sie hat ihm nicht das Messer in die Brust gerammt oder gestoßen. Nein, mitnichten und woher denn, das klänge ja aggressiv, gewalttätig sogar. Wenn man’s genau nimmt, noch um eine gehörige Portion gewalttätiger als am Hals packen.

Wir werden doch nicht Frau gewalttätiger, ja brutaler als Mann hinstellen. Wo wir doch alle von den Frauenhausmitarbeiterinnen und der Frau Frauenstadträtin und der Frau Frauenministerin und von Frau Hinz und Frau Kunz in Einmütigkeit mit Herrn Hinz und Herrn Kunz seit spätestens der Verabschiedung des Wegweisegesetzes gegen Männer im Haus davon allerernstestens Blicks in Kenntnis gesetzt worden sind und werden, daß 95 % aller häuslichen Gewalt von Männern gegen Frauen verübt wird.

Daß er tot ist und sie lebt, daß er totgestochen ist und sie unverletzt, ergab sich irgendwie so, halt. In einem Handgemenge. An dem er schuld war, nicht sie. Auch nicht er und sie, sondern er, das gewalttätige besoffene Schwein ganz allein. Wie immer halt. Wie sie halt sind, diese … Männer!

Hätt’ er sie in Ruhe gelassen! Sie in ihrer weiblichen Friedfertigkeit hat alles getan zur Deeskalation, ja, wie wienweb.at behauptet:

Im Zuge des Disputs ging die Frau in die Küche.

Aber nein, das halten sie nicht aus, die Adrenalinfreaks. Sie wollen es ausfechten, sie wollen einen Kampf. Da kann eine Frau noch so sehr ihre emotionale Intelligenz ins Spiel bringen, um eine unnötige Eskalation zu vermeiden, es geht ihm nicht ein, daß das für ihn selber das Beste, sogar die Rettung gewesen wäre, hätte er ihrer spontanen Intuition vertraut und die Führungsrolle im Konfliktmanagement ihr überlassen:

Der Mann folgte ihr und packte sie am Hals.

Du dummer, armer Gockel, kann man nur sagen! Wer Wind sät, wird Sturm ernten:

Daraufhin rammte sie ihm ein Messer in die Brust.

Es soll jetzt nicht herzlos klingen, aber was soll man dazu sagen, wenn nicht: Selber schuld! Frauen können eben auch mal zurückschlagen, oder zustoßen, oder eben reinrammen. Die Männer bilden sich nur ein, sie hätten das Monopol auf das Phallische und Penetrante.

Da merkt man auch gleich die professionellen Unterschiede verschiedener Medien, hier die traditionell seriöse Presse am aktuellen Stand der Geschlechterdisziplin, dort die Kabel-TV-Ges.m.b.H. mit fraglich reißerischem Vokabular, mit Populismus liebäugelnd, auf den emotionalisierenden Hetzfaktor setzend. Wie sonst könnte man rechtfertigen, was oberhalb der Schlagzeile, die mit der der Presse ident ist, zu lesen ist:

Die Frau dürfte ihren Ehemann mit einem Messer attackiert und getötet haben.

Das ist nun wirklich nicht nötig: “attackiert” und “getötet”, sogar in einem fast schon obszönen Aufwaschen: “mit einem Messer attackiert und getötet”! Später dann noch die Rede vom in die Brust gerammten Messer – brrr! Da läuft es einem ja kalt den Rücken runter!

Und das, wo es in Wirklichkeit bloß zu einem Handgemenge gekommen ist, im Zuge dessen er eine Stichverletzung im Brustbereich erlitten hat!

Da sind die nachrichten.at schon viel feinfühliger und einfühlsamer, wenn sie gleich in der Überschritt alles klarstellen:

Ehestreit endete tödlich – Notwehr laut Ehefrau

Noch hetzerischer als wienweb.at äußert sich die Krone.at, was einen nicht wundern braucht, das ist ja doch der eigentliche, der sprichwörtliche Boulevard, dem gehässigen, sensationslüsternen Kleinbürger und Kleinstbürger nach dem Munde geifernd, wo es nur geht, jenseits allen ethischen Kodex, als hätte man von Gendermainstreaming noch überhaupt nichts gehört, als hätten wir die letzten 20 Jahre Gleichstellungsethik nur in der Phantasie oder im Traum durchgemacht, unbelehrbar rückschrittlich, wie die jüngste Wiedereinstellung des Staberl eben belegt:

Ehestreit in Wien endet mit tödlicher Messerattacke

Um das hetzerische Kraut fett zu machen, steht darüber:

Frau ersticht Gatten

Reaktionärer gings nicht mehr: “Messerattacke” statt erlittene Stichverletzung im Zuge eines Handgemenges, “tödlich” davor, damit man die klare Idee kriegt, sie wollte ihm nicht nur was antun, sondern gleich was Tödliches! Und dann dieses kategorische “ersticht”, als wär’ sie eine Kriminelle. “Frau ersticht Gatten”, das klingt wie eine Hinrichtung, ein Racheakt, eine exekutierte Todesstrafe. So verdreht der Boulevard das Phänomen der Notwehr eines Schwächeren gegen die tödlichen Würgeattacke eines Stärkeren!

Der Streit verlagerte sich in die Küche, wo der Mann seine Frau plötzlich am Hals packte, berichtete die Exekutive am Sonntag. “In der Folge kam es zu einer Rangelei”, so Vockner. Dabei griff die Frau zu einem Küchenmesser. Kurz darauf stürzte der Wiener von der Klinge in die Brust getroffen zu Boden. “Er ist mir ins Messer gerannt”, sagte die Frau aus. Ob dem Opfer ein Stich zugefügt wurde oder mehrere, sei noch nicht bekannt, (…).

Na bitte! Alsdann! “Mann lief Gattin ins Messer” hätte die Kronenzeitung schreiben müssen! Und darunter: “Ehestreit endete mit tödlichem Unfall”. Warum, zum Kuckuck, glaubt ihr denn keiner einfach? Warum drehen und werkeln alle mehr oder weniger infam daran herum? Rhetorische Frage! Frauenfeindliche patriarchale Kultur! Punkt. Ende.

Oder? Oder vielleicht deswegen?:

Das Paar hatte erst vor wenigen Wochen geheiratet. Doch von Anfang an hing der Haussegen schief. Die Ehefrau störte offenbar die Tatsache, dass sich ihr Mann nach wie vor mit der Ex- Freundin getroffen haben soll.

Das verweist doch auf seinen miesen Charakter und auf die unsägliche Pascha-Attitüde, einen Harem wollte er sich halten, hat er zuviel PUA gelesen, nein, eher nicht, Lesen war wohl über seinem kulturellen Niveau. Primitive Triebgesteuertheit ist wahrscheinlicher, White Trash eben, Alkoholiker, hat den Alpharüden gespielt! Zwei Hunde hatten sie auch, die Fotos sind in der Kronenzeitung, paßt perfekt!

Rasend vor Eifersucht stellte die 49- Jährige deshalb ihren Mann zur Rede, nachdem beide etwas über den Durst getrunken hatten.

Hätt’ er doch PUA lesen sollen, und üben! Wenn sie rasend eifersüchtig wird, hat er sie per definitionem nicht unter Kontrolle, ist also nicht alpha sondern beta, ein Möchtegernmacho halt, ein Loser, eine erbärmliche Witzfigur aus der untersten Schublade! Acht Jahre jünger war er auch, also hat er sie wegen Geld geheiratet, wegen Wohnung, Auto, sonstwas an materiellem Vorteil. Und die Freundin hat er weiter gehabt, wegen des anderen, wegen dem, was sie sich nur eingeredet hat, daß er bei ihr sucht.

Warum fällt mir dauernd der Terminus “klassischer Eifersuchtsmord” ein?

Aber noch rätselhafter und fragwürdiger ist der Umstand, daß die Kronenzeitung die einzige Quelle unter allen, die die Nachricht bringen, ist, die diesen Hintergrund anführt und damit das Geschehen in ein plausibles Licht rückt. Vor allem auch den Begriff Mordverdacht. Weil sie so eine große Auflage hat, daß sie sich Lokalreporter leisten kann statt nur Presseaussendungen der Polizei nachzuplappern?

Ohne Telefonanruf bei der Polizei oder der Kronenzeitung kann ich das nicht klären, online jedenfalls ist die Presseaussendung der Polizei zu dem Fall derzeit nicht.

Mein Vorschlag für den Bericht, liebe Presse, lieber ORF usw. ist die Überschrift:

Totschlag aus Eifersucht in Penzing

Frau ersticht Ehemann im Streit

oder noch einfacher:

Eifersüchtige Frau ersticht Ehemann im Streit

oder doch lieber:

Frau ersticht Ehemann aus Eifersucht

Was weiß ich!


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