Vom Wegdefinieren der Nichtlinken

Wenn man links als gut definiert, ist ein Breivnik nur eine Frage der Zeit und nur der erste und nur der Anfang der Revolution.

Bißchen groß und grob die Worte? Ja, konzediert. Und? Nicht so großkopfert und großtuerisch und größenwahnsinnig wie der Neoabsolutismus der sogenannten Linken.

Sogenannt muß man sagen, weil die sogenannte Linke keine mehr ist, seit die SPÖ, klammheimlich, wenn man den Hetzstil der Pseudolinken verwendet, wie nebenbei, wenn nicht, das “sozialistisch” im Parteinamen in “sozialdemokratisch” geändert hat und dabei geflissentlich vermerkte, das sei nur eine ausstehende Anpassung an den Sprachgebrauch der, inzwischen neuen, haben sie nicht gesagt, nur impliziert, Zeit.

In Wirklichkeit wurde nur der Verrat an der Jugend wie an der Öffentlichkeit terminologisch zugegeben. Das Ziel des Sozialismus hatte man lang vorher schon aufgegeben. Das heißt aber, links war man schon die längste Zeit nicht mehr gewesen. Links heißt nämlich nicht sozialdemokratisch sondern sozialistisch oder kommunistisch, und die beiden Begriffe sind ebenfalls austauschbar, was den Kern des Inhalts betrifft. Sozialdemokratisch heißt letztlich überhaupt nichts Spezifisches. Es bedeutet praktisch nicht mehr als die Haltung von Sozialisten, die an den Sozialismus nicht mehr glauben, aber das nicht offen zugeben. Die noch gerne in nostalgischen Reminiszenzen theoretischer und historischer Natur schwelgen und sich daraus eine heroische, revolutionäre Dimension ihrer politischen und organisatorischen Identität verleihen, einen Nimbus der Arbeiterbefreiungsarmee, der Avantgarde der Arbeiterbewegung, wenn nicht die der Arbeiter, Bauern und Soldaten. Die aber genauso gut wie jeder sonst wissen, daß es mit dieser Romantik seit spätestens 1945 pragmatisch aus und vorbei ist. Bei uns. Seit mindestens den 60er Jahren darum wissen und nur ihre Studentenorganisation, den VSStÖ mit dem KB, den ML-Gruppen, der GRM und dem KSV um die richtige Linie und Einschätzung Wandzeitungen schreiben und Teach-Ins veranstalten ließen und um die Sitze in den Institutsgruppen und bei den ÖH-Wahlen kämpfen.

Man kann sagen, seit Cap Anfang der 70er Jahre seine Vorzugsstimmen zum revisionistischen Verrat mißbraucht hat, war es zu Ende mit allen naiven Hoffnungen und Illusionen eines sozialistischen Charakters der damals noch sich Sozialisten nennenden SPÖ. Oder sagen wir, eines antikapitalistischen Impetus. Oder einen gegen das kapitalistische Establishment gerichteten.

Sozialer den Lohnabhängigen und Ärmeren gegenüber als die ÖVP oder die FPÖ, dadurch ist sozialdemokratisch halbwegs und relativ definiert. Demokratischer? Nicht im Geringsten. Genauso oder noch mehr pseudodemokratisch und autokratisch wie der Rest. Wenn man’s so analysiert, ist die Rechte, als FPÖ mit ihren Abspaltungen wie BZÖ und FPK gemeinsam gesehen, genauso gut als demokratischer als der Rest der Parteien zu beurteilen. In der ÖVP oder der SPÖ hätte man parteiinterne Aufstände mit allen Mitteln niedergebügelt, bzw. die Aufständischen hätten nicht die politische Moral gehabt, sich nicht niederbügeln zu lassen.

Pseudodemokratischer und autokratischer, autoritärer und absolutistischer sind nur noch die Grünen. Die sogenannten muß man auch wieder dazufügen. Jedenfalls, solange das weibliche Geschlecht nicht eine grüne Hautfarbe hat, und die Ausländer auch nicht. Eigentlich ist das Negativste an einer sozialistischen oder kommunistischen Partei, nämlich die innerparteiliche Diktatur der Kader und der entsprechend zu formulierende Kadavergehorsam und die Kaderdisziplin bei den mehr oder weniger naiven und idealistischen unteren Chargen und einfachen Mitgliedern, bei den Pseudogrünen so dominant, daß sie als einzige deswegen was originär Linkes zur Schau stellen. Ebenso die Wahnidee, zur Bevormundung und Umerziehung der sprichwörtlichen breiten Massen von der Vorsehung oder der Geschichte auserkoren zu sein. Was die “Grünen” auszeichnet, ist die Diktatur des Proletariats bzw. die Führungsrolle, sprich die Diktatur, der Partei für die unterdrückten und ausgebeuteten Massen 1:1 verwirklicht zu haben. Mit dem kleinen Unterschied, daß alles innerhalb der Partei abläuft, und zweitens die Klassenzugehörigkeit und das richtige Klassenbewußtsein angeboren sind, im XX-Chromosom. Es ist eine Kastendiktatur. Per Statut. Eine Kastengesellschaft, die sich als politisch-moralische Avantgarde versteht für die offiziell kastenlose Gesellschaft rundherum.

Zurück zur Sozialdemokratie. Wie bitte, ich hab’ mich wohl verhört, den Begriff meinen sie doch nicht im Ernst!? Das hat mit die Schuhe ausgezogen damals, als es anfing, statt SPÖ oder SPD “die Sozialdemokratie” im Fernsehen und im Radio zu sagen. Die Journalisten sind sich, wie üblich bei Neologismen, irrsinnig cool vorgekommen. Wir leben in einer solchen, dachte ich. Wie können sie sich erdreisten, diesen Begriff für sich als Benennung zu usurpieren? “Die Demokratie, das sind wir!” Würden sie die ÖVP auch als “das Volk” titulieren? Die FPÖ oder die FDP als “die Freiheit”? Nein, natürlich nicht. Die Medien sind links. Das ist ja zwangsläufig so. Die Medien sind modern. Die Medien sind fortschrittlich. Wenn nicht gar “der Fortschritt”, so doch ein gewichtiger Teil dessen. Sie sind auch die Demokratie. Sie werden nicht müde, uns ins Gesicht zu sagen: “Wir leben in einer Mediendemokratie.” Wir verdanken sie ihnen. Als es noch kein Fernsehen gab, gab es auch keine Demokratie. Oder?

Die Medien sind links. Außer die Unmedien, der Boulevard, die Bild-Zeitung zum Beispiel. Oder alle, die “frei” oder “Freiheit” im Namen führen. Und Fox-News. Und Radio Maria.

Wir verstehen uns, die Medien sind links, mehr oder weniger. Jedenfalls alles andere als rechts. Außer sie sind unseriös. Populistisch zum Beispiel. Wie die Kronenzeitung. Die schon längst eingegangen wäre, setzte sie nicht auf den obszönsten, rechten bis rechtsextremen Populismus. Den viszeralen und hormonellen noch dazu. Aber wer die Kronenzeitung liest, der disqualifiziert sich eben selbst. Der geht wahrscheinlich auch in die Peep-Show. Und auf den Fußballplatz. Und fährt nach Thailand. Auf Kulturreise. Und wählt Strache. Und verabscheut die Vagina Monologues, die Abtreibung und die Homo-Ehe. Igitt!

Die Medien sind links. Unter gewissen Voraussetzungen:

Wenn wir gemeinsam links definieren im Sinne von Gerechtigkeit, Demokratie, Chancengleichheit und humanistischen Werten (…)

Oder:

Wenn wir als Grundwerte Gleichheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität haben (…)

Zum Beispiel. Oder, wenn uns einleuchtet:

Links ist eine Frage der Definition.

Und:

Wenn wir sagen, wir definieren Links als Chancengerechtigkeit, Demokratie und Fortschritt (…) [Zitate: Interview mit Christoph Peschek, SPÖ-Funktionär; im Standard, online 3.8.2011]

Außerhalb des Irans und Nordkoreas, des Sudans, Syriens und Saudiarabiens oder Afghanistans oder Israels oder Kasachstans scheint es heutzutage schwer für Medien, nicht links zu sein.

Für deren Leser auch. Im Westen scheint es irgendwie eine regelrechte Kunst geworden zu sein, was anderes als links zu sein. Eine schwarzmagisch erzeugte Besessenheit von einem Dämon aus finsteren Zeiten dürfte dafür wohl erforderlich sein. Jedenfalls seit 1789 oder 1848, oder dann wieder zumindest seit 1945.

Und doch, mehr als 20 Prozent wählen Parteien wie die FPÖ oder noch viel rechtere. Hat man denen nicht erzählt, was links heißt? Oder sind die eben für Diktatur, Ungleichheit, Unfreiheit, Ungerechtigkeit und Rückschritt? Wahrscheinlich. Damit sie was zum Aufbegehren haben, die steckengebliebenen Pubertisten. Sonst hätten sie sich die Beschämung ja wohl erspart und gleich die Sozialdemokratie gewählt.

Keine Sau in den online, Print- und Rundfunkmedien würde sie täglich öffentlich der intellektuellen Unzurechnungsfähigkeit, der politischen Soziopathie, der moralischen Delinquenz und der vermutlichen Gemeingefährlichkeit bezichtigen, sondern sie gälten als richtige Menschen und Staatsbürger. Sie könnten sogar vor der Wahl guten Gewissens dem Reporter in die Kamera sagen, für welche Partei sie stimmen werden.

Ich mein’, selbst die FPÖ-Politiker würden doch der SPÖ beitreten, wenn sie bloß wüßten, daß die links ist, und was links in Wirklichkeit heißt.

Warum druckt man denn das Interview nur im Standard ab statt in der Kronenzeitung, in Heute und in Österreich. Ein paar Auftritte in Zeit im Bild dazu, und die Gesellschaft kann sich die Parteienfinanzierung von Nichtlinks so wie das ganze Wahlkampftheater inner- und außerhalb des Fernsehens glatt ersparen. Samt und sonders. Ein gertenschlanker Staat ohne Proporz, eine Politik ohne Reibungsverluste. Die maximale Solidarität. Eine einzige Kampagne, ein paar Wochen, konzertiert auf allen Kanälen. Das ist ja nicht so schwer zu organisieren. Bei der EU-Abstimmung hat’s auch geklappt. Bei der Homo-Partnerschaft dito.

Und, alles was nottut, ist, gemeinsam links zu definieren!


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