Mit der Droge Drogenpolitik leben

Der Interviewer des Standard kann nicht zwischen den Berufsbezeichnungen Psychologe und Psychiater unterscheiden. So fängt’s an. Am Anfang:

Repression oder Legalisierung? Rechtspsychiater Walter Hauptmann und Sozialarbeiter Christoph Lagemann über Drogenpolitik

Am Ende:

Walter Hauptmann (69) leitete an der Uni Salzburg die Forschungsstelle Rechtspsychologie und ist Jurist und Psychologe.

Christoph Lagemann (55) leitet das Institut für Suchtprävention der Pro Mente OÖ und ist diplomierter Sozialarbeiter und Psychotherapeut.

Fast. Davor noch der tiefschürfende Erkenntnis und Prophezeiungskunst verratende Satz des Sozialarbeiters und Psychotherapeuten, den der Journalist als Titel verwendet:

“Es wird nie eine drogenfreie Welt geben”

Nein, wirklich? Das ist ja schrecklich! Was für Hinterwäldler müssen die Leser einer Zeitung eigentlich sein, daß man ihnen das mitteilen muß. Oder: daß man sie damit hinter dem Ofen hervorlocken kann? Die Kirchenblattabonnenten? Die zwischen 80 und 90? Diejenigen, die Most, Bier, Wein, Schnaps, Likör und Sekt als Getränke zur Beruhigung und zur Anregung für gesellige Anlässe einstufen und Haschisch als Rauschgift bezeichnen? Das die jungen Leute süchtig macht und den Charakter zerstört? Das man daher verbieten sollte und seinen Gebrauch zur Abschreckung mit drakonischen Strafen ahnden?

Und was für ein Geist als Hintergrund zur Lage der Frage und des Streits! Es ist selbstverständlich, daß der Staat sich als Bevormundschaft der Bürger aufspielt, die er als Zöglinge behandelt. Die Bürger sollen soviel oder sowenig Alkohol trinken, Zigaretten oder Cannabis rauchen und andere entspannende Substanzen zu sich nehmen, wie sich Politiker miteinander drauf einigen, daß es ihnen gefiele.

Das wäre immerhin noch wohlgemeint und anständig, hätten wir ein System der Leibeigenschaft in einem mehr oder weniger wörtlichen Sinn. Unser Eigentümer macht sich Sorgen um uns. Weil wir halt selber nicht so mündig sind, daß wir das ohne ihn machen. Wir kriegen es leider nicht mit, daß man vom Trinken, Rauchen und so weiter alle möglichen Nachteile riskiert, von der Krankheit und dem früheren Tod bis zur Abhängigkeit und dem vielen Geld, was uns das kostet.

Wir lesen nämlich keine Zeitung und schauen nicht fern, deshalb entgeht uns auch, was die Medizin dazu seit Jahrzehnten sagt, und selbst der Arzt hat uns noch nie darauf aufmerksam gemacht, wenn wir uns untersuchen oder behandeln ließen. Und daher sind wir selber schuld, daß die fürsorglichen Politiker die einzigen sind, die sich um unser Wohlbefinden kümmern und uns mit Gesetzen und Steuern und Strafen von unserem Unheil abhalten müssen.

Deswegen müssen sie uns auf die Zigarettenpackungen Warnungen drucken lassen und demnächst abschreckende Bilder aus dem Leichenschauhaus dazu. Und immer mehr Steuern auf den Preis aufschlagen, bis wir sie uns nicht mehr leisten können. Und zuerst in Amtsgebäuden, am Arbeitsplatz, in Lokalen, dann auf öffentlichen Plätzen, dann sogar auf der Straße, im Park und am Strand das Rauchen verbieten. Bis sie das Land haben, das ihnen vorschwebt. Ein rauchfreies. Nein, ein raucherfreies. Die letzten Schritte werden dann schon ein bißchen gar totalitär wirken, wenn sie das Rauchen auch in den privaten Wohnungen verbieten. Aber dann haben sie uns schon an die Ausweitung der Verbotszonen gewöhnt, und wir machen deswegen auch keinen Aufstand mehr. Die ganz Unverbesserlichen müssen ein Antirauchertraining absolvieren und wenn sie dann noch immer nicht aufhören, werden sie als tabaksuchtkrank registriert und kriegen ihre Dosis in der Apotheke auf Suchtgiftrezept. Die Kinder wird man ihnen abnehmen, weil sie durch Passivrauchen geschädigt würden. Dann müssen sie halt die Folgen tragen. Politiker sind eben Visionäre und jetzt haben sie die Vision einer raucherfreien Welt. Seien wir froh, daß sie keine schlimmeren erträumen.

Manche von uns Naiven haben sich schon gefragt, warum auf den Bierflaschen und -dosen, auf den Weinflaschen, auf den Whiskyflaschen und so weiter keine Todeswarnungen stehen.

Haben sie darauf vergessen oder sind sie noch nicht dazu gekommen vor lauter Überarbeitung? Oder sitzt ihnen der Fehlschlag mit der Alkoholprohibition in Amerika damals noch in den Knochen. Eine Lösung wäre, den Islam als Staatsreligion einzuführen. Das funktioniert woanders doch auch.

Zurück zur eventuellen Anständigkeit. Ist es nicht anständig, wenn der Staat Geld sparen will? Es ist schließlich unseres, das er nicht für unsere Unvernunft beim Fenster rauswerfen will. Sparen ist angesagt, die Banken brauchen immer mehr, die Defizite werden immer größer, und das Klima will gerettet sein, noch dazu. Ich bin leider kein Wirtschaftsexperte, aber mir kommt vor, das ist alles sehr komplex und geht seinen schicksalhaften Gang, und wenn schon überall die Experten vor dem großen Zusammenbruch warnen, da kann man mir doch den kleinen ganz persönlichen Beitrag zumuten, daß ich auf Tabak und Cannabis verzichte. Es gibt ja eh noch den Alkohol. Und die Beruhigungsmittel und die Schlafmittel und Antidepressiva. Und das Surfen und die Videospiele und vor allem das Fernsehen. Da kann ich der Wirtschaft sogar nützen, je mehr ich fernsehe, desto besser für die Werbewirtschaft und für die Unternehmen, die werben lassen, und das zieht alles seine Kreise, sodaß ich dadurch Arbeitsplätze erhalte. Vielleicht sogar meinen eigenen. Das find’ ich einerseits sehr ökologisch und andererseits sozial zugleich.

Wenn alle Drogenstricke reißen, wechsle ich zur Arbeitssucht. Die ist wenigstens nicht so bald illegal. Andererseits, wenn man ein junger Vater ist, und überhaupt ein Mann, soll man eigentlich nur halbtags arbeiten, damit die Frauen auch mal was vom Leben haben und sich verwirklichen können. Ich weiß: Essen! Das ist die Lösung. Und im Trend liegt es auch. Viel, viel mehr als Cannabis oder Tabak oder Alkohol. Essen und Fernsehen und Surfen, da ist die Freizeit doch ausgefüllt. Das lenkt von den Problemen ab und kostet jetzt auch nicht wirklich so wahnsinnig viel. SMSen ist auch legal, und mit Pauschale erschwinglich. Und wenn sonst nichts wirkt, kann man immer noch unter Zeitungsartikeln posten, nebenbei. Geht ja alles auf einem Bildschirm. Samt Bloggen, das hab’ ich überhaupt in der Eile vergessen.

Wenn ich mir das jetzt so überlege, ich weiß gar nicht, was ich hatte. Das Angebot der noch legalen Drogen ist so vielfältig, wer braucht da noch einen Joint oder dann, wenn’s so weit ist, noch eine Zigarette?

Es war wohl etwas übertrieben von mir, zu erwarten, daß der Artikel irgendeine Kohärenz hat. Bei der Hitze?

Und dann der arme Jurist und Psychologe: macht er eine Riesenuntersuchung, was uns alle diese Haschischbrüder kosten, und dann kümmert sich keiner drum. Soll er sich bei so einer miesen Behandlung darum scheren, was der Sinn der Untersuchung war? Soll er sich gar vorher in Kenntnis setzen, wie die Drogenpolitik in den letzten Jahrzehnten international mit Cannabis und anderen bisher illegalen Drogen umgegangen ist? Soll er sich grundsätzliche Fragen stellen wie die nach der Berechtigung der Politik, die allerunschädlichste der bei uns gebräuchlichen Drogen den Leuten zu verbieten? Soll er sich gar fragen, mit welchem Recht er oder irgendwer sonst sich herausnimmt, Leute, die Cannabis rauchen, als gestört hinzustellen und solche, die Bier trinken nicht? Und nicht einmal formal so gerecht – innerhalb der grundsätzlichen Anmaßung – vorzugehen, daß er, wie es bei Alkohol üblich geworden ist, gewisse Grenzen und Muster des Konsums behauptet, bei deren Überschreitung ein Abhängigkeitsrisiko oder ein Abhängigkeitsverhalten oder ein Suchtverhalten definierbar ist? Stattdessen sollte er sich schämen, mit den dämlichsten Vorurteilen wie “Einstiegsdroge” aufzufahren?

Völlig unverdaulich aber ist sein genereller Ansatz: Er phantasiert wirklich von einer drogenfreien Welt, die herzustellen der Staat berechtigt, wenn nicht sogar verpflichtet wäre. Aus budgetären Erwägungen. Und der Zweck heiligt die Mittel. Führerscheinentzug? Warum nicht, wenn es wirkt! Repression ist sein Schlüsselbegriff.

Hauptmann: Es gibt eine Untersuchung, dass die Jungen bei Drogendelikten vor allem Angst um den Führerschein haben. Da könnte man noch viel mehr Motivation zum Aufhören erreichen.

Lagemann: Das ist Retropädagogik, Jugendliche mit Angst erziehen zu wollen. Wenn man das Ganze entkriminalisiert und staatlich regelt, könnte man Gefährdete besser erreichen und Geld sparen.

Hauptmann: Aber wir brauchen wie beim Alkohol im Straßenverkehr die Rute im Fenster.

Aber der Sozialarbeiter und Psychotherapeut ist nur um ein Haar besser. Alles was er vorschlägt ist Entkriminalisieren, aber ein Strafmandat von 100.- Euro für einen Joint findet er in Ordnung. Jedenfalls in der Bedrängnis des Interviews. Und um ein gutes Haar an ihm zu lassen: Verbieten will er Cannabis eigentlich nicht, sagt er. Nur die suchtgefährdeten oder schon süchtigen Konsumenten therapieren. Wobei da die Frage der Abhängigkeit zwischen, zum Beispiel, Alkohol und Cannabis noch deutlich zu differenzieren wäre, so ähnlich wie die der Selbstschädigung und Schädigung anderer. Aber das ist für dieses konfuse Hickhack zu sachlich und vernünftig.

Alles in allem fragt man sich nach der Lektüre: Wozu war das jetzt gut?

Ich hab’ mir mit der Dosis Bloggen den Ärger darüber von der Seele geklimpert. Das dazu, wenn sich einer fragt, wozu das hier gut war.


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