Datenschützer: Löschen Sie Facebook-Fanpages!

Unwatched.org schreibt am 19. August 2011:

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) hat heute alle Webseitenbetreiber in Schleswig-Holstein aufgefordert, umgehend die Weitergabe von Daten über ihre Nutzenden an Facebook in den USA einzustellen und die entsprechenden Dienste zu deaktivieren. Im Klartext bedeutet dies, dass Unternehmen ihre Fanpages auf Facebook löschen und sämtliche Social-Plugins, wie die auf ihren Webseiten eingebundenen „Gefällt mir“- bzw. „Like“-Buttons entfernen müssen.

(…)

Wer einmal bei Facebook war oder ein Plugin genutzt hat, der muss davon ausgehen, dass er von dem Unternehmen zwei Jahre lang getrackt wird. Bei Facebook wird eine umfassende persönliche, bei Mitgliedern sogar eine personifizierte Profilbildung vorgenommen. Das Betreiben einer Fanpage bei dem sozialen Netzwerk sowie das Einbinden von Social-Plugins aus dem Facebook-Angebot „führt daher zwangsläufig zu Datenschutzverstößen“.(weiter bei unwatched.org)

Die Schere zwischen persönlichem, privaten oder geschäftlichen Vorteil und Verantwortung für die Gesellschaft und die Entwicklung der Demokratie öffnet sich in diesen Zeiten allerorten und signifikant. Von Demokratie zu sprechen wird täglich euphemistischer. Und nur wer sich aktiv um entsprechende Informationen kümmert, kriegt die Emergenz der Diktatur aus der sogenannten Postdemokratie überhaupt mit. Mit Kant in seiner Erklärung des Begriffs Aufklärung gesprochen, nur wer die Trägheit und Feigheit überwindet, kann sein Versinken in der Unmündigkeit in Grenzen halten. Präziser gesprochen, nur wer das Einlullen von der Seite der Massenmedien und der Politik überhaupt für möglich hält, wer also den Mut aufbringt, an der demokratischen Moral jener zu zweifeln und eine – funktionale und daher defakto – Verschwörung der Öffentlichkeit konstellierenden Agenten zur Verhinderung der fortlaufenden Aufklärung, wieder mit Kant, des Erhebens aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, also der Selbstaufklärung, für denkbar zu halten, gelangt überhaupt zur Frage der Überwindung der Bequemlichkeit des naiven Vertrauens in die öffentliche Repräsentanz des tatsächlichen Politischen.

Anzumerken ist die eigentümliche Fehlinterpretation des Begriffs Aufklärung, wie er den meisten heute bewußt ist: Es wird von den Aufklärern oder der Aufklärung gesprochen, und gemeint sind damit Individuen, die es auf sich nahmen und nehmen, das Volk, die Bürger, die Leute aufzuklären über die vernunftgemäß erkennbaren Verhältnisse von Welt und Gesellschaft. Man denke an das Verfassen von Enzyklopädien des naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Erkenntnisstandes. Was zum Begriff Aufklärung paßt. Wie Kant die Frage nach der Aufklärung beantwortet, ist etwas ganz anderes. Er müßte eigentlich von Selbstaufklärung als Begriff ausgehen. Ein radikaler Wechsel in der Perspektive. Nicht mehr die Gebildeten klären das ungebildete Volk auf, sondern das Volk selbst ist dafür verantwortlich, ob es den Stand der Welterkenntnis so wie die Gebildeten sich anheimmacht oder nicht. Demokratie fußt darauf, daß das Volk als mündig behandelt wird. Ob es das und zu welchem Ausmaß tatsächlich ist, liegt in der Zuständigkeit des einzelnen Bürgers und der Gemeinschaft der Bürger, die entweder für Verhältnisse streiten, in denen Selbstaufklärung praktisch für die Allgemeinheit machbar ist oder Privilegierten vorbehalten bleibt. Mit der allgemeinen Schulbildung ist die Basis der allgemeinen Selbstaufklärung nur teilweise gesetzt, die Agenten der Macht, die Politiker, die Bürokraten, die verschiedenen gesellschaftlichen Interessensgruppen, die auf jene Einfluß haben und zuvorderst die Presse bzw. die Massenmedien setzen und gestalten die Bedingungen der Verfügbarkeit von Wissen und Information. Die Moral und Ethik der Massenmedienbetreiber und ihre faktische Abhängigkeit von Machtagenten und Einflußgruppen bedürfen daher der fortlaufenden stringenten Kontrolle der Bürger, zum Beispiel in Form von individuellen Beiträgen zur Öffentlichkeit, wie es Blogs, Foren und Webseiten heute darstellen. Wenn Aggregatoren dieser privat erstellten Öffentlichkeit auf den Plan treten wie die sogenannten sozialen Netzwerke, reagieren sie nach kurzer Zeit in derselben Korruption durch ihre Möglichkeiten, Profit und Macht zu aquirieren wie alle gesellschaftlichen Aggregationen und jedes Individuum. Facebook, Google, Twitter, das notorische Microsoft so wie Apple und alle anderen dieser Kategorien müssen daher der akribischen Kontrolle nach Machtmißbrauch ausgesetzt werden.

Die im oben zitierten Beitrag ersichtlichen Tracking- und Profilingaktivitäten von Facebook zum Beispiel sind rundweg gesetzlich zu untersagen! Wenn die neototalitär naiven USA so postdemokratisch und postfreiheitlich agieren, daß die systematische Spionage nach Konsum- und Interessenstendenzen der Kunden nicht als totalitäre Prädisposition erkannt wird, ist das tragisch, aber nicht schicksalsmächtig für Europäer. Genauso wenig wie die infame chinesische Zensur und Überwachung des Internets und der Öffentlichkeit insgesamt. Auch wenn die EU sich jeder amerikanischen Erpressung gegenüber nachgiebig gebärdet, ist das nicht im geringsten Schicksal für die Bürger der Staaten, die in dem totalitataristischen bürokratischen Monstrum EU zu Untertanen des “Vierten Reiches” reduziert werden sollen, soweit es nach den Regierungen und Parlamentariern geht.

Diese Wortwahl in vollem Bewußtsein ihrer Implikation! Indigene amerikanische Publizisten sprechen von der zu beobachtenden Entwicklung eines Polizei- und Überwachungsstaates in diesen konkreten Begriffen, sei bemerkt.

Und Großbritannien ist in einer Entwicklung, so wie Australien und Neuseeland ebenfalls, ebenso oder noch mehr Kanada, die George Orwell als ihren Propheten statt als Verfasser des Menetekels der Dystopie apperzipiert. Man kann kaum mehr entscheiden, ob Amerika oder England das Land ist, in dem die Zensur, die Inquisition und die ideologische Indoktrination ungenierter den legalistischen Konsens darstellen.

Großbritannien aber gehört trotz aller splendid isolation kulturell zu Europa. Es darf uns also nicht egal sein, was für neoabsolutistische und antidemokratische Prinzipien dort von New Labour und ihren Erben implementiert wurden und weiter werden.

Daß Facebook noch immer nicht vor einem internationalen oder vor europäischen nationalen Gerichten steht, ist alarmierend. Wobei Irland als Ausnahme oder Vorreiter zu beachten ist, wie auf unwatched.org berichtet wird.

Wenn ein amerikanisches Unternehmen Kunden aus Europa akzeptiert, hat es seine geschäftlichen Normen an den jeweiligen europäischen Gesetzen auszurichten oder macht sich strafbar? Natürlich ist das eine prinzipielle Frage, die so oder so zu beantworten ist. Das Mindeste, was gesetzlich zu verlangen ist, ist eine eindeutige Information der europäischen Kunden, daß sie sich in Widerspruch zu den lokalen Gesetzen begeben, wenn sie die Dienste des Unternehmens in Anspruch nehmen. Das zu unterlassen, ist eine wissentliche Täuschung der Kunden. Ein Unternehmen dieser Größe hat aber die Ressourcen, derartige juristische Informationen weltweit zu recherchieren und bekanntzumachen. Man denke nur an Amazon.com mit seinen lokalen Dependancen, das durchaus die lokalen gesetzlichen Bestimmungen berücksichtigt und zur Kenntnis bringt bzw. auf sie verweist. Das Gleiche ist offenbar sogar praktibal umsetzbar für Youtube, also für Google, das gewisse Videos aufgrund nationaler Bestimmungen zum Urheberrecht nicht zugänglich macht.

Abgesehen von der selbstverständlichen Informationspflicht dem Kunden gegenüber, dem man einen Dienst anbietet, fragt man sich als gutgläubiger Staatsbürger in Europa, wie es sein kann, daß man auf unwatched.org oder irgendwelche Datenschutzorganisationen angewiesen ist, wenn man in Kenntnis der Praktiken eines international tätigen Mega-Unternehmens wie Facebook bezüglich des Sammelns und Verwertens seiner Daten zum Gebrauch der Dienste des Konzerns gelangen möchte. Wie kann es sein, fragt man sich entsetzt und durchaus berechtigt, daß die einem nicht von vornherein mitteilen, was sie mit den Daten, von denen man als IT-Laie nicht einmal weiß, daß sie anfallen, d. h., aktiv generiert werden per Programmierung von Diensten des Unternehmens, anstellen? Eine rundweg inakzeptable versteckte Ausspionierung der Person, die schärfstens zu ahnden und zu untersagen ist, möchte man meinen.

Das verweist auf eine Selbstherrlichkeit der Unternehmen, die einen schaudern machen sollte. Zugleich sollte man schaudern vor der Pflichtvergessenheit der Politik und Bürokratie, die derartiges so lange gestatten, bis die Öffentlichkeit sie dazu zwingt, dagegen einzuschreiten. In einer rechtsstaatlich und freiheitlich verfaßten Demokratie ist es apriori die Aufgabe des Staates, sich um Gefahren und Möglichkeiten solcher durch Technik ermöglichten Mißbrauchspraktiken von Unternehmen gegenüber ihren Kunden zu kümmern. Dachte man.

Beschämend, wie es ist, kann man sich verstört nur an das hier angeführte Goethe-Zitat halten:

Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf.


Recent Posts

Kategorien

RSS News from Mensactivism

  • An error has occurred; the feed is probably down. Try again later.

RSS Fathers and Families

  • An error has occurred; the feed is probably down. Try again later.

RSS The Spearhead

  • An error has occurred; the feed is probably down. Try again later.

RSS Men’s Rights – Reddit

  • Stop telling men to show their emotions.
  • The Red Pill showing in Atlanta, GA needs 73 more ticket sales to prevent the event being cancelled. Please help!
  • The naked truth about real Equality
  • Woman which is a serial killer, killing several of her husbands, is released and free as a bird to kill more :(
  • The full truth about "Teach men not to rape"
  • Pedophile Marist brother avoid jails for sexually abusing 2 male students, bringing number of victims to 9. Grotesque media describes the molestation as "sports massages". Imagine if he had abused 9 little girls.
  • If a man cheats, it's because he's a selfish pig and he should be blamed. If a woman cheats, it's because her man wasn't making her happy and he should be blamed
  • 2016 SAT test results confirm pattern that’s persisted for 50 years — high school boys are better at math than girls
  • Connie St Louis, who falsely accused Sir Tim Hunt of sexism, has lost her job at City University because no one wants to be taught by her
  • Why is men's duty to make women feel safe