Sirene, geben Sie Gedankenfreiheit!

Die Sirene tut, was Sirenen eigen ist, sie heult so laut, daß es keiner überhören kann. Die Sirenen taten Ähnliches, sie sangen so betörend, daß sich kein Mann der Magie des Gesangs entziehen konnte. Folgte er der Anziehung, war es sein Tod.

Odysseus und Orpheus heißt es, waren die Einzigen, die sie nicht betören konnten. Odysseus holte Rat bei der Zauberin Kirke ein und ließ die Ohren seiner Mannschaft mit Wachs verstopfen, sich selbst an den Mast binden, sodaß er zwar zuhören konnte, aber dem Gesang nicht folgen. Orpheus übertönte mit dem Spiel seiner Leier ihren Gesang und rettete so die Argonauten. Aphrodite half mit, indem sie Butus, der trotzdem ins Meer sprang, um auf die Insel der Sirenen zu gelangen, durch die Strömung in Sicherheit treiben ließ.

Was die Sirenen betrifft, endeten sie durch Selbstmord: Eine Niederlage konnten sie nicht ertragen. Die Sagen sprechen von drei Auslösern, entweder die Niederlage gegen Odysseus, die gegen Orpheus und die Argonauten oder die in einem Gesangswettstreit mit den Musen. Nach ihrem Tod wurden sie in Klippen verwandelt.

Ist das nicht schön? Die Expertin für Magie hilft dem Helden Odysseus, Orpheus benutzt sein Musikinstrument, und die Göttin der Liebe rettet einen schon Verlorenen.

Die Überschrift ist natürlich Blödsinn. Die Sirene kann nur heulen, die Sirenen können nur betören. Sie sind Apellen gegenüber taub. Dem Sire, dem allmächtigen König aber konnte man zumuten, daß er darauf hörte. Jedenfalls auf der Bühne, in Schillers Don Carlos. Das Recht auf Gedankenfreiheit ist einsehbar.

Und es hat sich, wie die Geschichte zeigt, auch als solches ideologisch und – prinzipiell – auch praktisch im Westen durchgesetzt.

Allerdings tun sich die Attraktiveren unter den Geschlechtschromosomenhaltern damit in den letzten Jahrzehnten zunehmend schwer; so schwer, daß sie ihre Bürde schon nicht mehr alleine tragen können und sie die Unattraktiveren dazu betört haben, die Unzumutbarkeit solcher Großmut proaktiv* zu bestätigen und damit zu entschärfen. Denn geteilte Beschwerden sind halbe.

Simone de Beauvoir hat schon 1945 konstatiert, daß man Frauen nicht die freie Überlegung und Wahl lassen darf, ob sie lieber zuhause bleiben oder arbeiten gehen. Sonst bleiben sie nämlich lieber dort, und die Akademikerinnen auf ihrem Frust, weder eine weibliche noch eine männliche Perspektive ohne Abstriche ausleben zu können, alleine sitzen. Vor allem keine Marx-und-Engelsche.

Und die 60er Jahre haben, in den USA zuerst, einen trotzigen Narzißmus der Akademikerinnen gebracht, dessen Ideologinnen ihren Neid auf das selbstzufriedene Glück der Vorstadthausfrauen und -mütter damit rationalisierten, daß die Trampeln nicht gescheit genug sind, zu wissen was sie tun, wenn sie mit ihrem selbstbestimmten Tagesablauf zufrieden sind. Weshalb man sie durch Beschämung dazu agitieren muß, sich als unbewußte Gefangene und eigentlich leidvoll Unverwirklichte zu gebärden, genauer, zumindest sich als solche politisch repräsentieren zu lassen.

Jetzt haben wir also eine halbjahrhundertlange Tradition des Jammerns, Keifens und Hetzens gegen die falschen Gedanken der Mädchen, die sich für nichts interessieren als ihre instinktiven Präferenzen, als wäre das kommunistische Manifest samt dem Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates für nix und wieder nix gewesen, was aber doch nicht sein kann, wenn auf der anderen Seite heroische Revolutionäre und Revolutionärinnen von Lenin bis zur Vorsitzenden der Grünen Jugend und der Österreichischen HochschülerInnenschaft, sprich Hochschülerinnenschaft, die Zerstörung der Familie als Voraussetzung für die Befreiung der Attraktiveren von den Unattraktiveren ihrer Weltgeschichtsverschwörung als Glaubensbekenntnis beschworen und beschwören.

Diese renitenten Tussis sind noch immer nicht willig, trotz aller Diskursgewalt! Was soll man denn noch versuchen, sie zur Vernunft zu bringen? Nicht einmal auf den Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreichs wollen sie hören?

“Friseur, Büro und Verkäuferin ist sehr ehrenwert, aber wenn jedes zweite Mädchen in diese drei Berufe geht, obwohl wir 250 Berufe haben, dann müssen wir auch unseren jungen Damen sagen, dass sie eigentlich tolle Chancen liegenlassen, wo dann die Burschen eher zugreifen.”

Eben. Die sind taub, hoffnungslos andershörend. Verzichten auf tolle Chancen. Ja, was stellen sich die denn vor, wie das weitergehen soll? Noch hundert Jahre Unterrepräsentation in technischen und mathematischen Studienfächern. Das ist doch beschämend. So haben wir uns die weibliche Jugend aber bei Gott nicht vorgestellt. Haben die keinen Respekt vor dem heldenhaften Kampf von Alice Schwarzer gegen Pornographie und so? Na, weil’s wahr ist. Wofür haben sich ihre Großmütter denn abgestrampelt und Abtreibung, Alleinerziehen und Vibratoren erkämpft? Damit sie den Beruf weiter nur als Überbrückung bis zur Hochzeit und der Geburt des ersten Kindes sehen? Und als Zusatzeinkommensquelle für die Familie? Warum wollen sie denn nicht Baggerführerinnen oder CEOs werden?

Aber das ist eben die perfide Macht des Patriarchats, das die Gehirne der Mädchen vergiftet! Man muß sie zu ihrem Glück zwingen, die heilige Simone hat schon recht gehabt. Die feminine mystique muß ihnen brachial ausgetrieben werden.

Woanders sind sie da schon viel weiter. In England haben sie eine NGO, die dafür kämpft, daß schon den kleinen Mädchen klargemacht wird, “Pink stinks!”. Man muß ganz, ganz früh mit der Aufklärung beginnen. Schweden ist ein Vorbild, da gibt es Privatkindergärten, dort sagen sie gar nicht mehr “sie” und “er”, und alle kriegen das gleiche Spielzeug; und das EU-Parlament hat eine Kommission, die läßt verbieten, von Mutter und Vater zu sprechen, damit die Mädchen nicht auf diese miesen Sprachtricks reinfallen und lieber Kinder kriegen als Karriere machen.

Ja, überhaupt der Norden, Finnland, Norwegen, Schweden, die sind uns da weit voraus. Der nordische Mensch, was soll man sagen, ist am Puls der Zeit. Da wird kein Pardon gegeben, eine Firma mit weniger als 40 Prozent Frauen im Aufsichtsrat? Aus. Ende. Man muß eben den Mut haben, hart durchzugreifen. Sonst dauert es noch 150 Jahre. Du gehen zu Prostituierter? Du gehen ins Gefängnis! Das nenn’ ich sozialen Fortschritt! Es ist ja nicht wirklich sooo schwer. Es fehlt nur an der Entschlossenheit bei uns. Die Frauenministerin ist da viel zu lasch. Die ganze Regierung. Einfach die Steuern so erhöhen, daß sich kein Paar mehr leisten kann, daß die Frau länger als ein paar Monate nach der Geburt zu Hause bleibt! Dann gibt’s auch keinen Widerstand gegen Ganztagsschulen mehr. Wenn das Volk nicht reif ist für die Gleichheit, dann muß man es eben zum Fortschritt zwingen. Das ist ja logisch!

Es ist ja wie ein Virus, dieses Weibchengetue. Haben Sie gelesen, in englischen Schulen verbieten sie jetzt den Mädchen die Röcke! Weil die draus Miniröcke machen, bis man die Unterhose sieht, wenn sie die Stiegen rauf gehen. Obwohl sie von zuhause weggehen mit dem Rocksaum knapp überm Knie wie vorgeschrieben. Sie rollen sie ganz einfach oben ein, an der Taille! Jetzt haben die Lehrer genug von dem ewigen Kampf und schreiben ihnen Hosen vor. So muß man das machen!

Sollen sie halt auf einen Slutwalk gehen in der Freizeit, aber in der Schule sollen sie Mathematik und Physik lernen und Fremdsprachen, weil schließlich die technische Domäne noch immer nicht erobert ist und die Karriere auf jeden Fall Mobilität erfordert.

Sogar in Indien sind sie da progressiver, übrigens. Da werden ganz einfach die Hälfte der Plätze in den Eliteschulen für Mädchen reserviert, und aus. Auch wenn sich viel mehr Buben anmelden. Die können sich ja bei ihren Vätern und Großvätern bedanken, daß sie sich mit guten Noten um die Plätze streiten müssen, während die Mädchen unabhängig vom Notendurchschnitt aufgenommen werden. Hätten sie das weibliche Gender, fast hätt’ ich gesagt: Geschlecht, nicht von Anfang an diskriminiert, wäre das heute nicht notwendig.

Aber in Österreich ist es auch nicht ganz so schlecht. Die Aufnahmetests für die neuen medizinischen Hochschulen wurden einfach so lange verändert, bis die Mädchen genau so gute Testerfolge hatten wie die Burschen.

G’rad’ merk’ ich, die Sirenen haben mich gekapert.

Was ich eigentlich sagen wollte: Jede Unterstellung ist den Dämchen recht und billig, wenn sie eine fiktive Benachteiligung diskursiv durchsetzen wollen:

Ingrid Nikolay-Leitner sieht das Problem der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen anders: “Die Probleme sind nicht die Kollektivverträge selbst. Der Text der Verträge ist ja neutral. In diesen neutralen Kollektivverträgen werden Frauen aber im Einzelfall bei gleicher bzw. ähnlicher Tätigkeit anders eingestuft als Männer.” Hierfür seien verschiedene Gründe ausschlaggebend: Einmal werden die Vordienstzeiten nicht angerechnet, ein anderes Mal werden Frauen willkürlich falsch eingestuft, auch werden Frauen später und seltener umgestuft, letztendlich werden Frauen – so Nikolay-Leitner – weniger oft befördert. Den Vorschlag der GPA begrüßt die Juristin. Es gehe darum, sich die Anwendung der Kollektivverträge anzuschauen. Durch die Einkommensberichte, die die Betriebe heuer erstmals vorlegen müssen, werde diese Einsicht erleichtert. “Diskriminierung fällt nur auf, wenn man auch hinschaut”, gibt die Juristin zu bedenken. (red, dieStandard.at 9.9.2011)

Da gibt es keine Scham, wenn man nicht wegen Rufschädigung belangt werden kann, weil man keinen bestimmten Betrieb nennt:

(…) ein anderes Mal werden Frauen willkürlich falsch eingestuft,(…)

Der Rest der Behauptungen funktioniert, oder soll funktionieren, nach dem Prinzip, daß Unterschiede in der Karriere stillschweigend anzunehmen wären als unbegründet in der Leistung und in der Produktivität für den Betrieb. Impliziert wird eine gezielte Behinderung und Benachteiligung von seiten des Managements – aus “Vorurteilen” gegenüber Frauen. Wie deppert, nämlich selbstdestruktiv,  müßte ein Unternehmer oder ein Manager sein, wenn er auf diese Art die Produktivität beeinträchtigt! Und er zusätzlich sich noch der Gefahr von Interventionen des Betriebsrates oder arbeitsgerichtlicher Schritte einer belegbar willkürlich ungerecht behandelten Angestellten aussetzte. Und auf jeden Fall das Betriebsklima vergiftet.

Herrlich ist auch, abgesehen von der erbärmlichen Attitüde, unbelegte und a priori unglaubwürdige, an den Haaren herbeigezogene Unterstellungen unethischen Verhaltens zu machen, daß sie, sogar sie, die von der dieStandard als Expertin zur Unterstützung des sexistischen und totaltären Vorschlags einer Extra-Lohnerhöhung für die Frauen herangezogen wird, jedesmal von einzelnen Fällen spricht, während die Bevorzugung allen Frauen zukommen soll.

Wenn’s nur Einzelfälle sind, ist eine generelle geschlechtsspezifische Extrawurst wohl indiskutabel, nach Adam Riese und Minimalanstand! Wer hindert die Einzelfällinnen oder die Frau Juristin daran, vor’s Arbeitsgericht zu gehen? Die Öffentlichkeit wäre überglücklich für einen noch so dünnen Beweis für die Berechtigung der ewigen Unkerei von geschlechtsbezogener Frauenbenachteiligung.

Und dieStandard samt der Frauenministerin und der Frauenstadträtin und der Frau Grünefrauenvorsitzenden könnten endlich orgasmieren ohne die verkrampfte und mühselig rackernde Selbststimulation.

__________________

* Man erinnere sich an den unbestimmten Charakter der Einträge dieses Blogs zwischen Satire und Realsatire, zu dem Stil und Vokabular ihren manchmal eminenten Beitrag zu leisten versuchen!


Recent Posts

Kategorien

RSS News from Mensactivism

  • An error has occurred; the feed is probably down. Try again later.

RSS Fathers and Families

  • An error has occurred; the feed is probably down. Try again later.

RSS The Spearhead

  • An error has occurred; the feed is probably down. Try again later.

RSS Men’s Rights – Reddit

  • Stop telling men to show their emotions.
  • The Red Pill showing in Atlanta, GA needs 73 more ticket sales to prevent the event being cancelled. Please help!
  • The naked truth about real Equality
  • Woman which is a serial killer, killing several of her husbands, is released and free as a bird to kill more :(
  • Female Driver who killed pedestrian fined $1,000, Male who killed a pedestrian criminally charged.
  • If a man cheats, it's because he's a selfish pig and he should be blamed. If a woman cheats, it's because her man wasn't making her happy and he should be blamed
  • Woman makes false rape accusation because she was "upset over the recent election results"
  • High Court battle over Dubai sex tape: Two men accused of raping a married British woman launch fight to release video that they say clears their names
  • Jordan Peterson on Gender Differences, Patriarchy & Social Constructionism
  • Tom Ford believes all men should be penetrated by another man at some point in their lives, to "help them understand women"