Equal Schmäh Day: 4. Okt. 2011

[Schmäh: österreichisch/wienerisch für Charme, gerissen-charmanter Humor]

Es gibt die verschiedensten Schätzungen über die Weite des Klaffens der Humorschere, aber alle sind sich darüber einig, daß sie unaufhaltsam zunimmt. Doch das Humordefizit muß nicht sein.

Immer wieder einmal gibt es auch Frauen, die komische Rollen überzeugend spielen oder sogar als Kabarettistin eine gute Figur machen. Es ist unverständlich, warum noch keine selbstbewußte Humoristin auf die Idee gekommen ist, ihre Geschlechtsgenossinnen dazu zu empowern, trotzdem zu lachen. Schließlich geht es um eine Männerdomäne, die schon die allerallerlängste Zeit nach Eroberung schreit, nein förmlich brüllt. “I’m a woman, hear me roar with laughter!” Der selbstwertgefühlssteigernde Slogan wäre da. Zudem spricht auch nichts dagegen, im Frauenministerium eine Position mit einem so wichtigen Aspekt des Gendermainstreaming einzurichten: Gleichstellungsbeauftragte für Humor.

Zugegeben, die Arbeiterkammer ist da schon weiter, dort gibt es gleich zwei Humoristinnen[1][2], ob teilzeit- oder vollzeitbeschäftigt kann ich nicht sagen, aber sie sind rührig und bewegen etwas in die richtige Richtung, nämlich konsequente Öffentlichkeitsarbeit. Diesmal ist es ein mustergültiges Beispiel von Vernetzung mit einer rührigen Truppe unerschrockener Kämpferinnen für die Schließung der Humorschere, der Frauenbeilage der österreichischen Tageszeitung “Der Standard”, die sich unter dem lustigen Namen “Die Standard” der Leserin zur Inspiration anbietet.

Vielleicht etwas zu elitär, da ein gerütteltes Maß an Basishumor vorausgesetzt wird, das aufgrund des Neo-Viktorianismus nur die Avantgarde unter den Frauen über 30 aufbringt. Aber die jüngeren und die Männer jeden Alters können sich gemeinsam herzlich über die geharnischten Beiträge amüsieren.

Einer der relativ schrägen Ansätze der profunden Satirikerinnen besteht darin, sich schwärzer realsatirisch zu gebärden als Schwarzer. Aber da heute kaum jemand mehr zu finden ist, der Schwarzers untergriffigen Stil nicht als das zu würdigen weiß, was er ist, nämlich die fortgeschrittene Kunst des programmatisch pointenlosen und naiven Humors par excellence, der gerade von der todernsten Unfreiwilligkeit und rührenden Tolpatschigkeit lebt, bietet die Standard-Mannschaft des Frauenteils eine bewältigbare Steilvorlage für alle Aspirantinnen zum Aufholen des traditionellen Humorvorsprungs des Geschlechts, das immer schon dafür geliebt wurde, daß es das andere zum Lachen brachte.

Um der Geschlechtergerechtigkeit willen ist ohne Zögern zuzugestehen, daß der Neo-Viktorianismus auch unter Männern seine Opfer gefunden hat, und daher die Provokateusen des Projekts “Equal Schmäh Day” nicht nur ihrem eigenen sondern auch dem anderen Geschlecht das Leben mit Heiterkeit, die es erst einmal zu erobern gilt, zu versüßen versuchen.

Und sie haben wahrlich dick aufgetragen, dicker wäre schon panzellulitär. Aber das ist der bewußt grobe Charme, den nur die patentesten Frauenzimmer und die gestandensten Mannsbilder verkiefeln können. Die kabarettistische Konkurrenz von Alice im Fräuleinwunderland erfordert extreme Verzerrungen der erwarteten Parameter und üblichen Koordinaten. Vor allem auch deswegen, weil die zwei einzigen Lacherfolge der professionellen Bühnenkabarettistinnen, seit diese überhaupt auftauchten, bewußt ausgespart bleiben. Der Nudelwalker und die Ejakulatio Praecox in ihren unzähligen Abwandlungen und Reiterationen. Was allein das Aufklärungsprojekt in Sachen “Trotzdem Lachen” mit seiner süffisant implizierten, provokativen Negation “Trotz’ dem Lachen!” unbedingt lesenswert und memorabel macht.

Man kann Derartiges auch für Menschen mit besonderen Humorbedürfnissen zugänglicher unternehmen, so wie der Rezensent hier einmal kurzatmig titelte “Fünf von vier Österreicherinnen Opfer sexueller Belästigung” (immerhin lang vor Stermanns Buch, um das aus dem Weg zu räumen). Nicht und schon gar nicht so einfach wollen es die Fortbildnerinnen der Frauenwelt von A-Z des Standard geben, Gott sei Dank und ihnen Lob.

Was ist schon die Tante Emma gegen ein couragiertes Frauenteam, das beiläufig unerschrocken den Geschlechtsgenossinnen  den pädagogisch ausgefuchsten Spiegel vorhält, auf daß jeder für sich selbst und ohne Bevormundung oder nudging zu prüfen anheimgegeben ist, wer die primordiale Essenz der Dakini-Natur zu implementieren wagt, die in ihrer lächelnden Unberührtheit von den Inflationen und Deflationen des illusionären Gebundenseins das Bewußtsein ihrer Wahl von Freiheit oder Fesselung manifestiert.

Um die Spannung zu verlängern seien zuerst einige Kleinode eines früheren humorpädagogischen Projekts der Standard-Welt der Frau zitiert. Es geht um die Verspottung des ordnungspolitischen Rigors der selbstidentifizierten moralischen Autoritaristinnen, wie er im Buch der prä-postmodernen, fluidophoben Identitätsfetischistinnen als Subtext eingeschrieben der diskursanalytischen Entzifferung harrt. Die Autorinnen spielen prädispositiv und damit zugleich ephemerisierend  mit dem Klischee der Polizistin, einem klassischen Sujet des Homo Erectibilis in seiner uneingestandenen Ödipalität der Suche nach Unterwerfung, die seiner Libido Legitimät zu verleihen verspricht.

Sie inszenieren die Unterwürfigkeitsresponse mit dem Kunstgriff der subliminalen Kontextualität, indem das Objekt seine expressive Performanz verschweigt, stumm beredt, aber stumm für den, der den Schritt der Transgression des Evidenzhorizonts versäumt, obgleich beredt für den, der den epistemischen Zoom zu bedienen weiß.

Die “kesse Politesse” tritt nicht ins Licht der Apperzeption, was ihre chtonische Präsenz unentrinnbar präpositioniert. Der Evidenzeffekt bedarf der perzeptiven Delokalisition, in der die Auslieferung an das Mechanische und Manichäische die zu überschreitende Kondition des emanzipatorischen Appells anlegt.

In der sexuellen Spiegelung liegt unbegründet und unbedingt die Via Regia zur Relativierung, mehr noch, zur Realisation der apriorischen Volontarität der identifikatorischen Konfigurierungen, deren dionysisch-appollinische Doppeldeutigkeit oszillierend pulsiert.

Es geht also um den Clou von Strafmandaten für vorgeblich narzißtisch debattable Wort-Tat- und Tat-Wort-Performative aus dem anekdotischen Spektrum der Boulevarddiskurse, denen der zum Addressaten und Konsumenten disfigurierte Leser oder Zuschauer habituell Aufmerksamkeit liefert.

Die Assoziierung von cinemaskopisch aufbereiteten Dystopien ist sowohl gewollt als auch distraktiv arangiert, um die Exemplarität der Deformation des Apodiktischen zu nuancieren. Jede/r kennt den “Demolition Man” und die Automaten, aus denen Strafmandate für Kraftausdrücke flattern.

Nicht unreflektiert ist der zentrale Faktor des Plots, daß es Sandra Bullock als Polizistin ist, die Sylvester Stallone aus der Nostalgie in die Gegenwart sozialisiert, um Wesley Snipes zu neutralisieren, wobei er parallel die Genderstereotypien zu relativieren hat.

Aber ich bin nicht angetreten, um Einblick in die Hexenküche der Humorpädagoginnen zu geben, sondern dem Leser und der Leserin die Empfehlung, sich der Neuen Satirik der emanzipatorischen Aufklärerinnen prima facie auszusetzen.

Deshalb ohne weiteren Exkurs die Introduktion, die Ordnungsstrafmandate in dieStandard unter der Denomination “Strafzettel gemäß § 13 des feministischen Grundgesetzbuches (FemGG)”:

Nr. 1:

Schauspielerin Barbara Wussow flirtet sich gerne mal einen Strafzettel weg. Zitat in der Illustrierten “Bunten”: “Wir können stark sein als Weib.”

Nr. 2:

Ein AP-Fotograf begegnet der brasilianischen Fußball-Frauschaft auf Brusthöhe. (Inklusive Foto mit abgeschnittenen Köpfen)

Nr. 3:

“Boxen ist für Frauen unpassend” so der Präsident des kubanischen Boxverbandes Barrientos und der kubanische Nationaltrainer Rogue legt nach: “Kubanische Gesichter sind für die Schönheit gemacht”, natürlich nur die von Frauen.

Nr. 4:

Geständnis des deutschen Ex-Fußballprofis Mario Basler: “Ich bin ehrlich: Fußball ist nichts für Frauen. Wenn Mädels auf dem Rasen rumtoben wollen, sollen sie ein Netz aufstellen und Tennis spielen.” Das sei “sexy”.

Nr. 5:

Für die Teilnehmerinnen am DM-Frauenlauf haben sich die Organisatoren was “Besonderes ” einfallen lassen: Als Goodie gabs eine Waschmittelprobe für die Läuferinnen. Nicht sportlich, dafür klischeehaft.

Nr. 9:

In mehreren tschechischen Städten werden Papp-Polizistinnen in Miniröcken aufgestellt, die der Verkehrsberuhigung dienen sollen. “Fahrer gehen bei diesem Anblick automatisch vom Gas”, ist sich der Bürgermeister von Makrotin sicher.

Nr. 10:

Mexikanische Bar verlost Brustvergrößerungen. Der Betreiber von “Santo Cachorro” will so neue Kundinnen gewinnen und nannte die Tombola “Ohne großen Busen kein Paradies”.

Nr. 14:

Mit abgeschmackten Klischees wirbt “Sixt”: “Besonderes Service für unsere weiblichen Kunden: Dieses Auto würgt sich an der Ampel selber ab.”

Nach dieser Aufwärmrunde in medias res:

Der ultimative Crash-Kurs für Humordomänenknackerinnen und -knacker zur Feier des “Equal Schmäh Days” am 4. Oktober. Ab heute haben Frauen nichts mehr zu lachen. Ihr Humorpotential für 2011 ist erschöpft. Aber das muß nicht so bleiben! Das Doppel-X-Gen ist keine unüberwindliche Diskriminierung!

Humor ist, wenn sie trotzdem lacht!

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[1] Bettina Csoka arbeitet als Wirtschaftsexpertin für die Arbeiterkammer Oberösterreich.

[2] Ingrid Moritz leitet die Abteilung Frauen und Familie in der Arbeiterkammer Wien. Arbeiterkammer Wien

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P.S.: Für Leser beiderlei Geschlechts mit begrenzter Humorkapazität mag ein anschließender oder interimistischer Besuch folgender Links dieses Blogs stabilisierende Wirkungen zeitigen:

https://zeiger.wordpress.com/2008/02/14/buch-weisbuch-frauen-schwarzbuch-manner-eine-abrechnung-diestandardatpolitik/

https://zeiger.wordpress.com/2011/09/27/oecd-fordert-beschaftigungsoffensive-fur-manner/

https://zeiger.wordpress.com/2011/09/09/sexualrassistische-lohnpolitik-100-euro-extra-fur-frauen-gefordert/

https://zeiger.wordpress.com/2011/07/19/bubentore-gelten-nur-bei-madchentoren/

https://zeiger.wordpress.com/2011/07/12/behindertensportart-frauenfusball/

Oder anderer Blogs:

http://arnehoffmann.blogspot.com/search?q=gender+pay+gap

http://genderama.blogspot.com/search?q=gender+pay+gap

http://genderama.blogspot.com/search?q=Einkommensschere


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