Wahlfälschung für den Frieden in Liberia

Ich bewundere sie, mit welchem persönlichen Risiko sie ihr Land wiederaufbaut. Es sind bloß 80 Prozent arbeitslos, das will was heißen in Afrika! Aber sie hat sich entschlossen weiterzumachen. Ja, gut, erst hat sie gesagt, sie will nur eine Amtsperiode bleiben, aber was soll’s, da hatte sie noch keinen Nobelpreis für Frieden.

Es ist nur konsequent, wenn sie jetzt ihre Kunst des Friedenschaffens beweist und die politischen Konkurrenten, die davon nichts verstehen, mit ein bißchen Wahlfälschung daran hindert, das Land wieder ins Chaos zu stürzen.

Und wer weiß is’ es wahr! Die sind vielleicht nur beleidigt, weil sie gewinnt, und glauben, mit so billigen Anschuldigungen können sie das Ruder herumreißen. Schlau, wie sie ist, hat sie gleich einmal die Grenzen sperren lassen, sonst flüchten die Falschbeschuldiger vor der gerechten Strafe. Das ist Vorausschau, das Zeichen eines weisen Politikers.

Was soll sie denn machen? Zuschauen, wie irgend so ein Mann sie abhängt? Oder das traditionelle Männernetzwerk sie daran hindert, ihrem Volk Wohlstand, Glück und Harmonie zu schenken? Wo sie das doch am meisten brauchen! Wahlen sind zwar progressiv, aber der Fortschritt darf nicht mit Kleinlichkeiten wie das zwanghaft exakte Auszählen von Stimmen aufgehalten werden, wenn er noch in den Kinderschuhen steckt.

Gerade jetzt, wo sie als Friedensfürstin von der ganzen Welt verehrt wird, muß sie die Gunst der Reputation nutzen und ihre Pläne resolut umsetzen. Wenn die Konkurrenten ein bissel einen Weitblick hätten, täten sie ein Aug’ zudrücken und sich wie Kavaliere verhalten. Um des Landes willen, wenn nicht aus Dankbarkeit gegenüber der Führerin, der die Menschen den Wiederaufbau verdanken.

(…)[Es] hatten neun Oppositionsparteien der Regierung von Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf “massive Wahlfälschungen” bei dem ersten Durchgang der Präsidentenwahl vom 11. Oktober vorgeworfen. Sie kündigten gleichzeitig an, sich nicht mehr am weiteren Wahlprozess zu beteiligen, der nach bisherigen Ergebnissen Anfang November eine Stichwahl notwendig machen würde. (Der Standard)

Neun gegen Eine, unfairer geht’s gar nicht! Und was tun sie, sie sind beleidigt, sie trotzen! Dann machen wir gar nicht mehr mit, ätsch! Das ist doch kindisch. Sie könnten es ihr bei der Stichwahl doch heimzahlen und beweisen, ob sie ihrerseits geschickt genug zum Wahlfälschen sind.

Dazu fehlt ihnen der Sinn für Fair Play. Statt dessen lassen sie den männlichen Stolz aufwallen, daß sich die armen Bürger schon wieder vor einem Bürgerkrieg fürchten müssen. Können sie ihren Teststeronüberschuß nicht bitteschön beim Fußball abreagieren oder auf Hahnenkämpfe wetten? Irgendwas anderes als den Menschen Angstmachen wird sich doch um Himmels willen finden lassen, wenn sie meinen, sich schon wieder einmal austoben müssen. Videospiele zum Beispiel, das funktioniert bei uns schließlich auch.

Die Präsidentenwahl gilt als Bewährungsprobe der Demokratie in Liberia.

Eben. Dann sollen sie sich gefälligst bewähren und die Friedenspreisträgerin und ihr Team arbeiten lassen!

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