Futlapperlbekenntnis und “Wehret den Anfängen!”

Profil (OTS):

Posse am Wiener Flughafen: H. C. Artmann zensuriert

Herbe österreichische Begriffe könnten “die Gefühle von Passagieren verletzen”, so Flughafen-Sprecher Peter Kleemann

Am neuen Skylink des Flughafens Wien-Schwechat sollten die Passagiere auf Österreichisch begrüßt werden – mit dem Inhalt des “Wörterbuchs Österreichisch-Deutsch”, 1995 zusammengestellt von H. C. Artmann und Astrid Wintersberger. Das Werk wurde, samt englischer Übersetzung, auf Glastafeln gedruckt. Als die Paneele vor einigen Wochen installiert wurden, stieß einer der Mitarbeiter auf den Begriff “Futlapperl”; der Flughafenvorstand reagierte ungehalten. Nachdem weitere herbe Austriazismen entdeckt worden waren, etwa das Verb “wischerln” (urinieren), verschwanden die Tafeln unter Packpapier. Nun sollen die inkriminierten Wörter durch “Willkommen”-Schriftzüge ersetzt werden, wie Flughafen-Sprecher Peter Kleemann mitteilt.

Es sei “unerlässlich, dafür Sorge zu tragen, dass Passagieren keine potenziell fremdenfeindlichen, diskriminierenden, frauenfeindlichen oder religiöse Gefühle verletzende Inhalte aufgezwungen werden.”

Für die Deutschdeutschsprecher: Futlapperl heißt Schamlippe. Fut heißt Scheide und entspricht wohl im Gebrauch dem bundesdeutschen Fotze. Wischerln kennt jeder, Fut mehr oder weniger jeder, aber Futlapperl hatte ich bis heute noch nicht gehört, obwohl mir Dialekt vom Aufwachsen her vertraut ist.

Wir haben es hier mit Östereicher-Bashing zu tun

Der Flughafenvorstand, man weiß erst einmal nicht, ob das jetzt einer ist oder mehrere[1], ist ein Dodl, wenn er Futlapperl für frauenfeindlich hält. Das ist Mundart und so “frauenfeindlich” wie Schamlippe. Wischerln ist ebenfalls nichts anderes als Mundart und hat keinen abwertenden Charakter dem Harnlassen gegenüber.

Daß er das tut, ist nicht von Herrn Kleeman spezifiziert. Seine Behauptung, österreichische Mundartbegriffe könnten die Gefühle von Passagieren verletzen, ist allerdings nicht nur eine Posse sondern eine nationale Ehrenbeleidigung. Meine Gefühle als Österreicher sind dadurch und durch die Zensur ein zweites und noch viel vehementeres Mal verletzt.

Die Zensur österreichischer Mundartbegriffe ist diskriminierend den Österreichern gegenüber, sie ist inländerfeindlich und es wäre nichts weiter sprachchauvinistisch, wenn Piefke oder Schweizer sich über “Futlapperl”, “wischerln” und andere Wörter mokierten.

Als Österreicher behaupte und betone ich mein und unser aller Recht auf eine eigene Sprache und auf Mundart in all ihrer Eigencharakteristik, Farbigkeit und Bildhaftigkeit. Mundart ist ethnische Mund-Art, und Volkskunst ist nicht einer geschäftlichen, ideologischen oder politischen Zensur zu unterwerfen.

Wenn der Flughafenvorstand weder Sinn für noch Respekt vor autochthone(r) Sprachkunst besitzt, sondern kulturdiskriminierende und ethnienfeindliche Standpunkte vertritt, sollte er sich fragen, ob er der demokratischen und freiheitlichen Gesellschaftsordnung gegenüber genug Solidarität aufbringt, um in Österreich eine öffentlich relevante Position zu bekleiden.

Unabhängig davon verlange ich eine sofortige Zurücknahme der Zensur durch Überschreibung einzelner Wörter aus H. C. Artmanns Lexikon oder andernfalls eine Demontage der gesamten Installation. Es ist inakzeptabel, daß in Österreichs Öffentlichkeit  Methoden platzgreifen sollten, welche der freiheitlichen Grundordnung und dem aufgeklärten kulturellen Ethos des Landes hohnsprechen.

Österreich hat eine Ehre, eine Würde und einen internationalen Ruf als Kulturnation zu verteidigen, der insbesondere auf der kritischen Distanz zu politisch-ideologisch totalitären Traditionen und deren Reinszenierung in Neologismen wie “politischer Korrektheit” beruht.

Die Überschrift der Profil-Presseaussendung von der “Posse” belegt gerade dies. In Ländern mit beträchtlich fortgeschrittener Entdemokratisierung der öffentlichen Rede und legalisierter Meinungsdiktatur wie den USA oder Großbritannien oder den nordischen Staaten Europas wäre die Posse nicht nur als Realsatire exerziert sondern auch als rechtschaffen und tugendhaft rezipiert worden.

Noch gibt es Nuancen in der Totalisierung der Öffentlichkeit, noch ist die VR China nicht überall das unausgesprochene Ideal der political governance of culture. Jeder Millimeter kulturellen und gesellschaftlichen Bodens der Freiheit ist gegen den verblendet selbstgerechten Weg in den totalitären Abgrund mit Zähnen und Klauen zu verteidigen.

Deshalb animiere ich hier die Leser, sich für die symbolisch-paradigmatische Verteidigung der Freiheit einzusetzen und die E-mail-Adresse von Herrn Peter Kleeman (bzw. Clemens Schleinzer, s.u.) für einen Protest gegen die Zensur der Freiheit der Kunst zu beanspruchen.

__________________________

[1] Wenn man nachschaut erfährt man:

Das neue Flughafen-Vorstandsteam Mag. Julian Jäger und Dr. Günther Ofner hat seine Tätigkeit am 5. September 2011 aufgenommen.(…)

Die Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit wird von beiden Vorstandsmitgliedern entsprechend ihrer inhaltlichen Schwerpunkte wahrgenommen. Vorstandsdirektor Ing. Gerhard Schmid verantwortet die Inbetriebnahme-Vorbereitungen der Terminalerweiterung VIE-Skylink in Abstimmung mit Mag. Julian Jäger.

Und dazu:

Der Pressesprecher Peter Kleeman gibt an, er sei zwischen 8. und 18. Dezember nicht im Büro und verweist auf seinen Kollegen Clemens Schleinzer:

c.schleinzer@viennaairport.com, +43 1 7007 22399


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