Unsere milde Herrschaft

Aus dem Standard:

Aus für Rauchertaxis in Wien

Teil eines mit Sozialpartnern ausverhandelten Pakets

Wien – In Wien darf ab kommendem Jahr in Taxis nicht mehr geraucht werden. Das teilte die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger am Montag in einer Aussendung mit. Die Maßnahme ist Teil eines ab Jänner wirksam werdenden Pakets an neuen Bestimmungen, das laut Stadt mit den Sozialpartnern ausverhandelt wurde. Festgeschrieben wurde nun unter anderem auch, dass Blindenführhunde verpflichtend befördert werden müssen.

Ich will aber im Taxi rauchen. Der Taxifahrer hat ein Vetorecht, das scheint selbstverständlich. Und umgekehrt auch. Die Frau Frauenberger und sogenannte Sozialpartner sitzen nicht mit mir im Taxi. Also haben sie da gar nichts mitzureden.

Die Politiker vergreifen sich in der Position, die sie beanspruchen. Sie sind nicht als Vormund von den Bürgern adoptiert. Sie sind nicht Erziehungsbevollmächtigte, und die Bürger sind nicht Zöglinge. Ich hab’ sie auch nicht gebeten, mir das Rauchen abzugewöhnen, indem sie Schritt für Schritt die öffentlichen Gelegenheiten dafür mit Rauchverboten belegen.

Dieser Arroganz ist Einhalt zu gebieten. Eigentlich bin ich die längste Zeit schon und noch immer in einem Schockzustand, als wollte ich es nicht fassen, was uns da seit Jahren zunehmend vorgesetzt wird. Da geht es um eine radikale Umdefinition des Verhältnisses zwischen Bürger und Politikern. Der Staat autorisiert sich selbst dazu, die persönlichen Gewohnheiten und die Lebensweise der Bürger mithilfe von Gesetzen zu steuern. Scheinbar ohne schlechtes Gewissen, ohne Zweifel an der Berechtigung dieser absurden Überheblichkeit.

Was soll das sein, Monarchie und Leibeigenschaft in anderen Begriffen? Sie erziehen sich ihr Volk, so wie sie’s gerne hätten? Durchaus, sie meinen es so. Und sie gehen Stück für Stück immer weiter und werden immer frecher. Sie sind schon längst unverschämt. Sie sind schon so lange so unverschämt, daß es ihnen gar nicht mehr auffällt. Sie wissen gar nicht, wovon ich rede. Es machen doch alle überall so. Was will ich denn? Woanders sind doch noch viel strenger in der Volkserziehung! Da haben wir doch Glück, daß unsere Erzieher so milde mit uns verfahren!

Immerhin dürfen wir am Gehsteig und und im Park und auf der Wiese und am Donaustrand noch immer. Und zuhause sowieso.

Wenn ich noch einmal drüber nachdenke – wir haben’s eigentlich gut bei unserer Herrschaft!

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