Gendersensible Gewaltberichterstattung

Presse:

Ex-Freund verprügelt: Betretungsverbot für Frau

Mit Faustschlägen und Fußtritten ist eine 26-Jährige in Salzburg auf ihren um 15 Jahre älteren Ex losgegangen. Letztendlich mussten beide ins Spital.

Wegweisung der etwas anderen Art: Weil sie ihren um 15 Jahre älteren Ex-Freund in dessen Wohnung in der Stadt Salzburg verprügelt hatte, wurde gegen eine 26-jährige Deutsche in der Nacht auf Freitag ein Betretungsverbot ausgesprochen.

Der Mann war der Frau laut Polizei körperlich unterlegen. Dennoch wurde auch sie verletzt. Beide offensichtlich schwer betrunkenen Kontrahenten wurden vom Roten Kreuz zur genauen Untersuchung ins Krankenhaus gebracht, teilte die Sicherheitsdirektion mit.

Die Ex-Freundin hielt sich zum Weihnachtsurlaub beim 41-Jährigen im Salzburger Stadtteil Lehen auf. Am Donnerstag kam sie kurz vor Mitternacht von einer Lokaltour nach Hause und attackierte aus unbekanntem Grund den Mann mit Faustschlägen und Fußtritten. Er erlitt eine Platzwunde an der Nase und klagte über Kopfschmerzen, die Frau fasste eine blutende Wunde an der Wange und der Lippe aus.

ORF:

Frau attackierte Ex-Freund in Salzburg

Donnerstagnacht hat in Salzburg-Lehen eine Deutsche ihren Ex-Freund attackiert. Der 41-Jährige war seiner Ex-Freundin körperlich unterlegen und zog sich eine Platzwunde zu. Gegen die Frau wurde eine Wegweisung und ein Betretungsverbot ausgesporchen.

Am Donnerstag kurz vor Mitternacht eskalierte ein Streit in Salzburg-Lehen. Eine 26-jährige Deutsche verbrachte gerade die Weihnachtsferien bei ihrem Ex-Freund in Salzburg. Als die junge Frau von einer Lokaltour nach Hause kam, ging sie auf ihren Ex-Freund los. Sie prügelte mit Händen und Füßen auf den 41-jährigen Mann ein, der ihr körperlich unterlegen war.

Der 41-Jährige erlitt dabei eine Platzwunde im Bereich der Nase und klagte anschließend auch über Kopfschmerzen. Die Frau wurde bei der Auseinandersetzung ebenfalls verletzt. Sie zog sich eine Abschürfung im Gesicht zu. Die beiden waren offensichtlich stark alkoholisiert. Sie wurden zur genaueren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Gegen die 26-jährige Frau wurde eine Wegweisung sowie ein Betretungsverbot ausgesprochen.

Zufälligerweise gleich als nächste Meldung auf ORF.at:

Autopanne: Freundin misshandelt

Eine Autopanne auf der Pyhrnautobahn (A9) hat einen Mann in der Nacht Freitag derart in Rage gebracht, dass er seine Freundin attackierte. Er schlug auf die junge Frau ein und würgte sie. Die 26-Jährige musste im Spital behandelt werden.

Kurz nach Mitternacht hatte der 27 Jahre alte Mann bei Wundschuh eine Autopanne und musste seinen Wagen auf dem Pannenstreifen der A9 abstellen. Seine Freundin riet ihm, den Pannendienst anzurufen, was der Südsteirer nicht tat; stattdessen suchte er die Schuld für die Panne bei seiner Freundin und geriet dabei in Rage.

26-Jährige wollte Freund helfen

Der 27-Jährige beschimpfte die Frau, schlug ihr mehrfach ins Gesicht und drückte ihr sogar die Kehle zu. Ihr gelang es schließlich mit dem Handy den Polizeinotruf zu wählen und Hilfe zu holen. Eine Streife befand sich in unmittelbarer Nähe, die Beamten konnten den Gewalttäter schließlich einbremsen. Die Gesichtsverletzungen der 26-Jährige mussten im LKH Wagna ambulant behandelt werden.

0,8 Promille Alkohol im Blut

Der aggressive Autolenker hatte laut Polizei 0,8 Promille Alkohol im Blut – ihm wurde der Führerschein an Ort und Stelle abgenommen. Die Misshandlung seiner Freundin gestand er ein, er wurde auf freiem Fuß angezeigt. Laut Polizei sei die Situation auch deshalb besonders gefährlich gewesen, da es zum Zeitpunkt der Autopanne dichten Nebel auf der Autobahn gab – die Sichtweite lag bei nur etwa 25 Meter.

Ein Beispiel für gendersensible Berichterstattung

Die Person im ersten Text hat ihrem Opfer mindestens das Gleiche an Folgen zugefügt wie die im zweiten, eher Schwerwiegenderes, wie aus dem Begriff Platzwunde hervorgeht. Sie war im gleichen beeinträchtigten Zustand mangelnder Impulskontrolle wie die im zweiten. Ihre partnergewalttätigen Handlungen waren allerdings massiver, vielfältiger und systematischer, da sie außer Armen und Händen auch Beine und Füße zu deren Durchführung benutzte.

Wer sich der Notwendigkeit der Geschlechtsrollensensibilität nicht bewußt ist, käme daher auf die unaufgeklärte Idee, im Bericht über das erste Ereignis eine mindestens ebenso ausführliche Analyse des intrapersonalen psychologischen Prozesses der gewalttätigen Person und der Interaktionssequenz, die in der Verletzung resultierte, zu versuchen wie in dem über das zweite.

Er würde weiters keinen Unterschied im Vokabular mit emotionsstimulierender und negativer Bewertungspotenz tragender Qualität zwischen den beiden Berichten machen:

“Gewalttäterin, Misshandlung, Rage, aggressiv” wären ohne Gender im Focus im ersten Bericht ebenso angezeigt erschienen wie “Gewalttäter, Misshandlung, Rage, aggressiv” im zweiten.

Die Begriffe “Kontrahenten”, “zog sich (die Verletzung) zu” würden ohne Gendersensibilität auch im zweiten Fall auftauchen dürfen, sodaß die Polarisierung Täter – Opfer in beiden Fällen vermieden würde und der private, gegenseitige und subkriminelle Charakter der Tätlichkeiten sowie deren Entschuldigung und Bagatellisierung durch Alkoholeinfluß in beiden Fällen zum Tragen käme.

Der Meßwert des Alkoholisierungsgrades der gewalttätigen Person würde im ersten Fall ebenso als Stimulans zur moralischen Verurteilung angeführt wie im zweiten, statt Alkoholisierung als Entschuldigung zu konnotieren wie im ersten. Oder umgekehrt.

Von der Involvierung der Exekutive wäre im ersten Fall ebenso ausführlich zu berichten gewesen wie im zweiten, konkret wäre Auskunft zu geben gewesen, wie die Gewalttätigkeit überhaupt zur öffentlichen Kenntnis gelangte, ob eventuell das Opfer den Polizeinotruf wählte, ob die Polizei von Nachbarn alarmiert wurde oder Sonstiges der Fall war. Weiters wäre zu berichten gewesen, ob die gewalttätige Person im ersten Fall zur Anzeige gebracht wurde oder nicht, und wenn ja, ob dies auf freiem Fuß geschah oder eine Festnahme erfolgte.

Geschlechtsrollensensible Polizei

Aus den vorliegenden Berichten in Presse und ORF über den ersten Fall geht – als nicht durch Auskünfte verworfene Nullhypothese – hervor, daß die Gewalttäterin nicht angezeigt wurde.

Das ist erfreulich, denn nicht nur die Berichterstatter sondern auch die Amtsorgane sind sich der zeitgemäßen Notwendigkeit gendersensibler Vorgehensweisen bewußt.

Ein Betretungsverbot mit oder ohne Verschweigen der Wegweisung kommt in der Implikation von krimineller Energie einer Anzeige auf freiem Fuß nicht gleich, und das ist gut so. Sowohl im Fall der Korrektheit der oben angeführten Nullhypothese über das tatsächliche amtliche Handeln als auch bezüglich einer nicht auszuschließenden Weglassung der Anzeige in Fall Nr. 1 in der Berichterstattung.

Denn zumindest das gendersensible Image der Polizei soll gefördert werden, auch und gerade in Fällen, wo die Genderschulung der Beamten noch nicht konsequent bei Amtshandlungen umgesetzt wird. Die Ethik des Gendermainstreaming darf nicht leichtfertig gefährdet werden, nur weil es vielleicht noch nicht vollständig von der Beamtenschaft angenommen worden ist, das heißt in diesen Fällen, nur weil die Beamten vielleicht die Gewalttäterin genderunsensibel wie einen Gewalttäter behandelt und sie für ihre Gewalttätigkeit angezeigt haben.

Man kann natürlich einwenden, es käme eine solche Berichterstattung einer Irreführung der Öffentlichkeit gleich, aber das ist kurzsichtig gedacht, denn verantwortungsvolle Information muß auf die Zukunft des sozialen Wandels gerichtet sein und sollte ihn nicht durch zwanghaftes Kleben an Fakten sabotieren.

Der journalistische Ethos darf sich nicht dem billigen Pathos der Faktentreue anbiedern, wenn die emanzipatorische Denunziation der patriarchalischen Leugnung des männlichen Gewaltmonopols auf dem Spiel steht.

Im gleichen Sinn ist es auch durchaus legitim, wenn der ORF auf seiner Schlagzeilenseite unter der Rubrik “Chronik” nach ein paar Stunden die deutsche alkoholisierte Gewalttäterin von Salzburg wieder verschwinden läßt, während der anfänglich gleich darunter figurierende südsteirische alkoholisierte Gewalttäter von Wundschuh weiterhin aufscheint:

Die strukturelle Gewalttätigkeit des Patriarchats, die sich in individuellen Gewaltakten von Männern an Frauen und Kindern manifestiert, darf nicht leichtfertig aus dem Bewußtsein der öffentlichen Wahrnehmung entlassen werden, während die punktuelle verzweifelte Gegenwehr couragierter Frauen zwar noch weit mehr der Sichtbarmachung bedarf, aber aufgrund der stereotypischen Vorurteile des hegemonialen männlichen Blicks ihre Publikation in der Regel kontraproduktiv zur emanzipatorischen Implikation interpretiert wird. Anstatt die strukturelle Komponente der Gegenwehr gegen die allgegenwärtige männliche Gewalt als Zeichen der notwendigen Befreiung zu verstehen, tendiert das falsche Bewußtsein zur zynischen Gleichsetzung von Rebellion und Unterdrückung.

Die Priorisierung der unterschiedlichen Ansätze zum Vorantreiben der Gendersensibilität muß allerdings kontinuierlich verhandelt werden, wobei die Bedürfnisse der fortschrittlichen Frauen nach Rollenvorbildern mit der patriarchalischen Deutungshoheit der genderspezifischen Ausgangsbedingungen affirmativer weiblicher Aktionalität kollidieren und von Fall zu Fall strategisch zu evaluieren sind.


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