Keine Angst vor AKIV-Infektion!

In seltener Eintracht gaben sich Arbeiterkammer (AK) und Industriellenvereinigung (IV) am Montag: Sie treten gemeinsam für eine Totalreform der Familienbeihilfe ein. Das bisherige Modell habe trotz hoher Kosten bisher nicht die erwünschte Wirkung – mehr Geburten und mehr Frauenbeschäftigung – gehabt, sagte IV-Präsident Veit Sorger. Das neue Modell sei treffsicher und transparent – und erspare sogar rund 100 Millionen Euro, die in Kinderbetreuungsplätze investiert werden könnten, so AK-Chef Herbert Tumpel. (Presse, 9. 1. 2012)

Das genügt, um begründeten Verdacht zu erheben. Wenn die klassischen Klassenfeinde sich verbünden, bleiben die Arbeiter auf der Strecke, das liegt in der Logik der kapitalistischen Verhältnisse. Jetzt haben sie mehr oder weniger zum ersten Mal einen Bereich gefunden, bei dem sie die gleichen Ziele verfolgen. Was könnten die sein? Wenn man ausschließt, daß es sich um nichts weiter handelt als das Prinzip, “Gehts den Industriellen gut, gehts den Arbeitern gut”, zu dem sich die Arbeiterkammer hinter ihrer Fassade der unmittelbaren Interessenvetretung der Lohnabhängigen inzwischen bekennt, weil wir doch in einer Art von Postkapitalismus leben und nicht nur in der Postdemokratie, was bedeuten würde, daß die gemeinsame Forderung nach einer totalen Reform der Familienbeihilfe einen weiteren Schritt zum totalen Profitsystem beabsichtigt und daher in nichts anderem besteht als dem Anschluß der AK an die Forderungen der IV – muß man überlegen, was die AK damit für Vorteile für ihr Klientel anstrebt.

Man kann dieses Ausschließen aber nicht guten Glaubens vertreten. Es genügt wahrscheinlich, zu betrachten, was die IV sich erhofft. Im obigen Auszug aus dem Presse-Artikel ist das zu ersehen: mehr Frauenbeschäftigung, sprich mehr Konkurrenz unter den Lohnabhängigen; mehr Kinderbetreuungsplätze als Mittel, mehr Frauen zu Konkurrenten um Arbeitsplätze zu machen, das heißt, ihnen die Ausrede wegnehmen, daß sie nicht oder nur halbtags arbeiten gehen können (als Nebeneffekt auch, um die Bauunternehmer mit Aufträgen für Kindergärten und Kindertagesstätten zu bedenken?). Mehr Geburten? Daß ich nicht lache. Jede Schwangerschaft ist ein Verlustgeschäft für die Unternehmer. Die Österreicherinnen verhindern jede zweite Geburt durch Abtreibung. Das sind Ostblockverhältnisse, die geflissentlich verschwiegen werden, schamloserweise mit dem Mittel, daß, im Gegensatz zu mehr oder weniger allen anderen westlichen Staaten in Österreich keine zentrale Meldepflicht für Abtreibungen besteht. Wenn also Politiker oder Lobbies ein ernsthaftes Interesse an mehr Geburten hätten, würden sie für Erschwerung oder Illegalisierung der Abtreibung eintreten oder für Maßnahmen, die sie unattraktiv erscheinen ließe.

Die Ideen der AKIV aufgelistet (Presse):

Zunächst sollen Geld- und Steuerleistungen zusammengeführt werden, an ihre Stelle soll – unabhängig von der Zahl und vom Alter der Kinder – eine einzige “Familienbeihilfe Neu” treten. Dazu zählen Familienbeihilfe (inkl. Schulstartgeld), Kinderabsetzbetrag, Mehrkindzuschlag und Alleinerzieherabsetzbetrag (inkl. Kinderzuschläge).

  • Für jedes Kind gibt es 210 Euro pro Monat
  • Plus 140 Euro für Eltern von behinderten Kindern
  • Plus 50 Euro für Alleinerziehende
  • Bis zum Alter von 15 Jahren gibt es pro Monat einen Gutschein in Höhe von 35 Euro pro Kind, der wahlweise für Kinderbetreuung, Nachmittagsbetreuung, Nachhilfe, Skikurse oder Musikausbildung eingesetzt werden kann.

Alleinverdienerabsetzbetrag, Kinderfreibetrag und die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten sollen dagegen abgeschafft werden. Mittelfristig auslaufen soll die längste Variante des Kinderbetreuungsgeldes. Dadurch solle ein Einsparungsvolumen von rund 100 Millionen Euro frei werden.

Ausbau der Kinderbetreuung

Unter anderem durch diese Umschichtungen soll dann rasch die Zahl der Kinderbetreuungsplätze ausgebaut werden. Ziel sei eine Schaffung von 35.000 neuen Plätzen für Unter-Dreijährige binnen vier Jahren und die Erweiterung der Öffnungszeiten von weiteren 70.000 Plätzen.

Ziel ist jedenfalls die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Es könnte nicht klarer gemacht werden, worum es geht: Die Paare sollen es sich nicht mehr leisten können, daß die Mutter die ersten drei Jahre beim Kind zuhause bleibt, es soll kein praktischer Vorteil einer Familiengründung bestehen bleiben, das Kinderaufziehen soll öffentliche Angelegenheit werden, und zwar schon vom Alter von (spätestens) einem oder eineinhalb Jahren an. Denn je früher die Eltern oder die unverheiratete Mutter, die den Vater nicht mitreden lassen braucht, das Kind weggeben, desto früher wird die Frau wieder Teil des Angebots am sogenannten Arbeitsmarkt. Das funktioniert im Sinn von Simone de Beauvoir, die darauf hingewiesen hat, man dürfe den Müttern nicht die Entscheidungsfreiheit lassen, weil sie sonst lieber beim Kind zuhause bleiben.

Was rauskommt, ist, daß die Ehefrauen von gutverdienenden Männern die einzigen sind, die sich selber um ihre Kinder kümmern können und es zu einem großen Teil auch hingebungsvoll tun*, während der überwiegenden Mehrheit keine andere praktische Möglichkeit bleibt, als sie von anderen Frauen – von dafür bezahlten Mutterfiguren – in öffentlich subventionierten Institutionen aufziehen zu lassen. Nach Staatsideologie und politisch korrekter Doktrin und mit der infamen Behauptung, die könnten das sowieso viel besser, die wären nämlich Experten, demnächst mit pädagogischem Magistertitel. Nur Eltern, die sich nicht um die zukünftigen Wettbewerbschancen ihrer Kinder scheren, dilettieren an ihnen zuhause herum!

Die Arbeitsteiligkeit des industriellen Fertigungsprozesses von qualitativ hochwertigem Humankapital ist kraft des globalen Wettbewerbs in naher Zukunft eine unumgehbare Notwendigkeit.

Die Eizellen und Spermien von hochwertigen Spendern, die Befruchtung in hygienischen Labors, das genetische Screening zur Präimplantationsdiagnostik, die Gestation in leistungsfähigen Mietgebärmüttern, die Geburt per Kaiserschnitt, dann drei Monate Bindungsphase an die legale Eigentümerin und ihre/n eventuelle/n LebensabschnittspartnerIn (wenn’s aus sentimentalen Gründen sein muß, inklusive Stillen), danach beginnt das biopsychosoziale Förderprogramm für kognitive, emotionale und relationale Intelligenzoptimierung in der Hand von pädagogischen Fachkräften unter wissenschaftlicher Qualitätskontrolle.

Daß der Familienminister, der zugleich Wirtschaftsminister ist, eine skeptische Position zu den AKIV-Vorschlägen einnimmt, während die Frauenministerin und die Grünen dafür eintreten, spricht trotz des Vorbehalts seiner Doppelrolle Bände:

Die Interessen der Unternehmer und die der Feministinnen scheinen parallel, ganz nach dem Modell der Familie als Ort der Unterdrückung und Ausbeutung der Frau durch Mann und Kinder, wie es seit Marx und Engels bekannt ist und Grundlage des Feminismus wurde, und der Idee, die Abschaffung der Familie wäre die Befreiung der Frau und der Beginn ihrer Selbstverwirklichung als sexuell befreite und unbehinderte Teilnehmerin am Arbeitsprozeß und an der Öffentlichkeit in Kultur, Gesellschaft und Politik. Die kleine Differenz in der damals utopisch gemeinten Vision – und dem nach kurzem Versuch zu Beginn der bolschewistischen Herrschaft wieder beendeten Experiment – und der heute unter dem Etikett “Gleichstellung” und dem Subetikett Feminismus mehr und mehr politisch dekretierten liegt darin, daß sich Engels einerseits auf ein zu seiner Zeit modernes, später aber als irrig erkanntes anthropologisches Phantasiebild eines urgeschichtlichen Matriarchats berief und außerdem den Erfolg der sozialistischen Revolution voraussetzte. Die Abschaffung der Familie würde der letzte, vollendende Schritt zur Etablierung der sozialistischen Gesellschaft sein. Blöderweise haben wir aber nicht eine Verwandlung des Kapitalismus in einen Sozialismus erlebt, sondern das genaue Gegenteil, die unaufhaltsame Vereinnahmung sämtlicher gesellschaftlicher, kultureller und privater Lebensvollzüge, sogar der persönlichen und intimen zwischenmenschlichen Beziehungen und selbst der psychischen Prozesse und Strukturen durch das kapitalistische Verwertungsprinzip. Und die kleine Differenz zwischen den naiven feministischen Reflexen zur Abschaffung der familiären Ausbeutung der Frau und den vifen der Industriellen besteht darin, daß die Unternehmer die Gelegenheit zur Frauenausbeutung den Männern und Kindern nicht vergönnen, sondern selber nutzen möchten.

Der Feminismus selbst wurde durch das Prinzip Mammon assimiliert zu einer instrumentalen Ideologie im Dienst seiner totalen Assimilation alles Menschlichen. Widerstand ist zwecklos. Nicht einmal die Borg waren so erfolgreich darin. Die eminent sozialistische und historisch-materialistische Grundkomponente wird zwar noch immer deklamiert von den feministischen Ideologinnen, aber die Praxis aller feministischen Politik hat die patriarchale Ordnung an die Stelle der kapitalistischen als Objekt des Umsturzes gesetzt. Der generalisierte unterdrückerische und ausbeuterische Mann ersetzt den Unternehmer (oder Kapitalisten), die Frau den unterdrückten und ausgebeuteten Arbeiter. Nicht die Shareholder und ihre Lakaien im Management sind die Klassenfeinde der Lohnabhängigen, sondern es gibt jetzt einen guten Kapitalismus, dann, wenn diejenigen, die über die Produktionsmittel verfügen und Koupons schneiden und die Politiker am Gängelband führen, weiblichen Geschlechts sind.

Von einer ökonomischen Perspektive wurde die vermeintlich noch immer standfest marxistische oder sozialistische zu einer sexuellen, statt der Produktionsbedingungen geht es um die Reproduktionsbedingungen. Es handelt sich um eine sexualökonomische Doktrin – denn die Frauen  an der ökonomischen und politischen Macht werden die Menschheit in die gerechte klassenlose Gesellschaft führen, in die geschlechtergerechte geschlechterklassenlose. Wie das? Die strukturelle Dynamik des Kapitalismus verliert ihre zwingende Macht, wenn die Rollen der Profiteure zur Hälfte von Frauen gespielt werden? Und die Rollen der Ausgebeuteten ebenso? Die Moral, der Idealismus, die Nächstenliebe setzten sich dann gegen die Systemkräfte durch?

Es scheint tatsächlich so: AKIV wurde aus AK gegen IV! Die Klassenfeinde ziehen am selben emanzipatorischen Strang? Warum eigentlich nicht? Engels war auch Unternehmer.

Das ist also der historische Paradigmenwandel. Die Frauen sind deshalb die einzigen wahren und echten und efolgreichen Revolutionäre, weil sie eine zigmal längere und radikalere Unterdrückungsgeschichte hinter sich haben als die Arbeiter, die nur auf ein paar hundert Jahre davon zurückblicken können.

Der Kapitalismus war und ist apriori nur eine Manifestation des Ur-Ausbeutungsverhältnis des Patriarchats. Warum ist mir das nicht schon früher eingefallen. Und warum wird es in der feministischen Literatur nicht explizit so dargestellt. Es ist doch in jeder Hinsicht sonnenklar.

Die effizienteste politische Strategie zur Befreiung der Menschheit von Unterdrückung und Ausbeutung besteht daher einsehbar darin, das Personal der kapitalistischen Klassen auszutauschen, jedenfalls oben und unten möglichst viele Frauen reinzubringen, bis sie die Macht innerhalb der zwei Klassen haben. Aus ihrer natürlichen revolutionären Potenz als ewig Unterdrückte werden sie unweigerlich das Element aus der Produktionsstruktur und ihrer gesellschaftlichen Reflektion herausfiltern, unter dem sie selbst ewig gelitten haben. Ihre Befreiung von den Einschränkungen der reproduktiven Verhältnisse ist die Grundlage dafür, daß sie ihre Energie für die Befreiung aller von den Einschränkungen der produktiven Verhältnisse verwenden können.

Die Abschaffung der Familie zur Befreiung der Frau ist also nicht das letzte Tüpfelchen auf dem “i” der sozialistischen Revolution sondern das Fundament für ihren Beginn. Pille, Abtreibung, Scheidung, Alleinerziehen, PAS, lesbische Partnerschaften, Going it Alone, positive Diskriminierung, gesetzliche Frauenquoten in allen Machtebenen sämtlicher gesellschaftlich relevanter Institutionen und flächendeckende Kinderbetreuung vom Säuglingsalter an sowie Ganztagsschulen – das sind alles Pflastersteine der Via Regia zur Diktatur des Feminariats, des authentischen historischen Proletariats. Der erste Meilenstein ist die reproduktionsklassenlose Gesellschaft, aus der die produktionsklassenlose zwingend erwächst.

Da hab’ ich noch jede Menge Reflexionsbedarf, aber ich scheine doch auf einem guten Weg zu sein, die gegenwärtige Phase der Entfaltung des geschichtlichen Prozesses zu erfassen.

Daß zur Zeit der Antfeminismus sich immer virulenter in Männerköpfen erhebt, ist in der Dialektik der Aufklärung begründet. Die Aufhebung von Feminismus und Antifeminismus ergibt sich auf der Stufe des endgültigen Zusammenbruchs des Patriarchats, sag’ ich mal.

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* Vgl. den TAZ-Artikel “Die Weiber denken, sie wären besser” vom 9. 10. 2011

http://www.taz.de/!79576/


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