Kinder sind Staatseigentum

Sie ist des zweifachen Mordes verdächtig, hat in der Untersuchungshaft ihr Kind auf die Welt gebracht.

Im Kurier:

Kurz vor Mitternacht kam per Kaiserschnitt ein 3,2 Kilo schwerer und 50 Zentimeter großer, gesunder Roland zur Welt. Die Mutter durfte ihn nicht einmal stillen, er wurde ihr sofort vom Jugendamt abgenommen – und ins Preyer’sche Kinderspital überstellt.

(…)„Der Vater war im Preyer’schen Kinderspital, durfte das Kind aber nicht sehen“, ist Anwalt Mayer empört. Am Vormittag gab es dann doch noch einen Besuchstermin für Roland senior bei Roland junior: „Ich durfte ihn in der Hand halten“, erzählt er sichtlich stolz dem KURIER. „Offiziellen Anruf bekam ich aber keinen.“

Jugendamts-Sprecherin Herta Staffa erklärt die ungewöhnliche Kindesabnahme so: „Man muss es aus Kindersicht sehen. Es baut eine Beziehung zur Mutter auf und wird nach einem Jahr getrennt, wie soll das so ein junger Bub verstehen? Bei einem halben Jahr Strafandrohung wäre es etwas anderes. Außerdem kann der Vater durch die Scheibe (beim Besuch im Gefängnis, Anm.) keine Bezugsperson werden.“ Dem Kindesvater soll nämlich möglicherweise schon am Donnerstag das Kind übergeben werden. Der weiß noch nichts davon: „Aber ich wäre überglücklich, wenn dem so wäre“, sagt Roland R.

Die Gefängnis-Verwaltung war auf ein längeres Zusammensein von Mutter und Kind eingestellt, man praktiziert das laufend. Bei Justiz-Insidern herrscht über die unvermittelte Trennung des Neugeborenen von der Mutter helle Aufregung.

In der Presse:

Das Jugendamt beteuert, dass Estibaliz C. und der Vater des Kindes in die Entscheidungsfindung eingebunden waren. “Es ist ja unklar, wie lange die Frau im Gefängnis bleiben muss”, gab eine Sprecherin zu bedenken. Im Hinblick auf eine womöglich sehr lange Haftstrafe, mit der Estibaliz C. bei einer strafrechtlichen Verurteilung rechnen muss, “hat aus unserer Sicht nichts gegen den Vater gesprochen”.

Diese Einbindung merkt man ganz, ganz deutlich, wenn man die Zitate aus dem Kurier liest. Man kann sich’s so vorstellen: “Entweder sie fügen sich unserer Entscheidung, oder das Kind kommt ins Heim. Wie Sie wollen, Sie können sich’s aussuchen!”

Die Quintessenz der hiesigen Eltern- und Kinderrechte:

1. Kinder von Untersuchungshäftlingen sind ab der Geburt Staatseigentum.

2. Dem Jugendamt obliegt im Namen des Staates die Aufgabe, zu entscheiden, wer das Kind zum Aufziehen geliehen bekommt.

3. Es ist dem Jugendamt gestattet, das Kind auch der Mutter oder dem Vater, eventuell sogar beiden nacheinander zu leihen, sollten die Beamten dies für günstig erachten.

Warum eigentlich nicht, wer sich eines Verbrechens verdächtig (oder schuldig) gemacht hat, hat damit seine elterlichen Rechte verwirkt. [Das steht vielleicht nicht unbedingt so in der Verfassung, aber was soll’s. Verfassungen, Menschenrechte, Kinderrechte und der ganze Schmus – seien wir uns ehrlich, das geht doch an der Praxis vorbei. Und widerspricht dem gesunden Sozialarbeitervolksempfinden.] Die Eigentumsrechte am Kind fallen an den Staat. Kinder von Verdächtigen oder Schuldigen haben daher umgekehrt auch kein Recht auf ihre Eltern. Es kann ihnen aber im Kulanzweg von der Behörde befristet eingeräumt werden.

Nichtverdächtige und nichtschuldige Eltern haben ebenfalls kein Recht auf ihre Kinder, und ihre Kinder umgekehrt keines auf sie. Der Behörde steht aber auch da der Kulanzweg offen.

Danke liebes Jugendamt für Deine Großzügigkeit im aktuellen Fall! Vater, Mutter und Kind werden es Dir nie vergessen. Du hättest das Kind schließlich auch Pro Juventute übergeben können oder der Caritas. Das macht mich stolz und dankbar, Österreicher sein zu dürfen!

Dein ergebenster

Staatsbürger

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Ergänzung vom 12. 1. 2012

Des Pudels Kern: “Die Erziehungsberechtigten sind wir”

Während die MA 11 beim Bezirksgericht Josefstadt innerhalb von acht Tagen nachträglich die Kindesabnahme sanktionieren lassen muss, wird der Vater einen Antrag auf Obsorge stellen. Wenn er diese nach einigen Monaten hat, dann darf er über das Wohl von Roland junior bestimmen. „Bis dahin sind wir die Erziehungsberechtigten“, heißt es im Jugendamt. (Kurier)

Von Äußerung zu Äußerung des Jugendamtes ist jeweils alles anders. Es hängt vom Druck der Öffentlichkeit und von Informationen, die ans Licht kommen, ab, was diese Behörde für Darstellungen zu ihrem amtlichen Handeln gibt.

Ist ein Prominentenanwalt dahinter, geht die erste unwahre und scheinheilige Version nicht rein, und die Damen und Herren wechseln zur nächsten, im drauffolgenden Satz zur übernächsten. Warum nicht, das ist eine Behörde und niemandem Rechenschaft schuldig als dem Kaiser. Ach so, den gibt es nicht mehr – egal, seinem Stellvertreter im zeitgemäßen Kleid. Der Öffentlichkeit, scheint es, wenn die der Behörde zusetzt. Aber formal gesehen ist es das Bezirksgericht. Das sich in 999 von 1000 Fällen mit jeder Maßnahme einverstanden erklären wird, weil das Jugendamt der Ort der Experten ist. Und noch einmal, wer von den vom Jugendamt ins Visier genommenen Eltern  – täglich werden 7 Kinder den Eltern abgenommen, behauptet Abnehmer der Kinderware “Pro Juventute” in seiner Werbung – kann es sich leisten, einen sündteuren Anwalt zu engagieren, und wie oft ist der Fall selbst so öffentlichkeitswirksam wie der einer Frau, die zwei Männer zerstückelt einbetoniert haben soll?

C.s Verteidiger Rudolf Mayer geht auf mehreren Ebenen gegen die Kindesabnahme vor. „Beim Verfassungsgerichtshof wird Klage wegen Verstoßes gegen Artikel acht der Menschenrechtscharta (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, Anm.) eingebracht. Dazu ist eine Beschwerde gegen die Abnahme und ein Antrag auf Rückgabe beim Bezirksgericht Favoriten eingebracht“, so Mayer: „Dass Gefahr im Verzug war, ist doch eine Floskel.“

Zigtausende von Männern hätten sich solch einen Anwalt gewünscht, als ihnen ein Familiengericht das Besuchsrecht absprach, und zigtausende unverheirateter Männer sind auf Gedeih und Verderb der Mutter des Kindes ausgeliefert, um ihre naturgegebenen Rechte als Väter ausüben zu können. Wie gesagt, das ist des Pudels Kern, nicht der Vater ist von vornherein der eine der zwei Sorgeberechtigten, sondern der Staat installiert seine Behörde in diese Rolle. Ein so radikaler Skandal, daß alles, was sonst hier passiert, fast schon banal erscheint.

Und das ist unmenschlich genug: Wie kommt das Kind dazu, von seiner Mutter ohne Notwendigkeit getrennt zu werden, wie kommt es dazu, mutterseelenallein in einem Spital zu liegen, was sind das für Fachleute, die so etwas einem Neugeborenen zumuten? Und der Mutter? Wenn eine Erziehungsberechtigte, eine Mutter, das ihrem Kind freiwillig antut, was ist dann von ihrer Eignung als solche zu halten? Was ist also von der Eignung des Jugendamtes als erziehungsberechtigt zu halten?

Daß sogar verurteilte Mütter das Recht haben, ihr Kind bis zum 2. Lebensjahr bei sich zu haben, soll hier bei einer in Untersuchungshaft nicht gelten? (Vgl. Krone)

Grotesk die Argumentation einer Sprecherin des Krankenanstaltenverbunds, die Versorgung des Kindes nach dem Kaiserschnitt habe es notwendig gemacht, es von der Mutter zu trennen und in ein Kinderspital zu bringen. Wenn das so Routine ist, bezweifle ich aufs heftigste, daß die Mütter nicht automatisch mitgehen dürfen. Weshalb sollte das in diesem Fall anders sein, Justizwachebeamte sind unter anderem dafür ausgebildet, Transporte zu begleiten und in einem Krankenhauszimmer Häftlinge zu bewachen?

Die eigentliche und unausgesprochene Begründung für die seelische Mißhandlung dieses Kindes und seiner Mutter und für das Vorenthalten ihrer natürlichen und gesetzlichen Rechte spiegelt sich in der Online-Abstimmung der Kronenzeitung, in der knapp 60% der Leser dafür stimmten:

Fall der ‘Eis-Baronin’

Darf man einer Frau im Gefängnis ihr Baby wegnehmen?

Die des Doppelmordes verdächtige Eissalonbesitzerin Estibaliz C. hat in der Nacht auf Mittwoch ihr Baby zur Welt gebracht. Im Wiener Kaiser- Franz-Josef-Spital erblickte der Bub das Licht der Welt, wurde aber sofort in die Obhut des Jugendamtes gegeben – schließlich befindet sich seine Mutter in Haft. Was findest du? Ist es in Ordnung, einer Mutter ihr Neugeborenes wegzunehmen, wenn sie im Gefängnis sitzt?

Ja: 58,3%             Nein: 41,7%

Eine dumpfe dunkle Lust am Bestrafen, am Richten und Verdammen, ohne einen anständigen oder klaren Gedanken zu fassen, ein Ausagieren einer selbstgerechten Stimmung des Rächers. Und die Kronenzeitung aktiviert so etwas mit billigem Genuß und Gewinn. Statt den Leuten die Strafvollzugbestimmung im Text des Artikels zur Einleitung zur Kenntnis zu bringen, benützt man den fiesen Einschub ” – schließlich befindet sich seine Mutter in Haft” als Auslöser einer zustimmenden Reaktion. Fies nicht nur wegen der manipulativen Rhetorik als solche, sondern extra noch einmal, weil das Jugendamt in völliger Bewußtheit der Unberechtigtheit des Arguments den simplen Umstand des in der Haft Befindens ursprünglich den Reportern gegenüber als Begründung verwendete, und weil den Autoren des Artikels diese Unberechtigtheit dezidiert bewußt ist. Das nennt man Populismus und derartigen Journalismus schreibt man dem Boulevard zu, der Gosse, in kräftigerer Ausprägung formuliert.

Nicht bloß Gossenjournalismus, das ist schon Kanaljournalismus. Für Österreicher verständlich nach “Schau’ do liegt a Leich in Rinnsäu, ‘s Bluat rinnt in Kanäu!” von Wolfgang Ambros’ Lied “Da Hofa” (Der Hofer) zum Thema Lynchjustiz.

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Ergänzung vom 13. 1. 2012

Weibliche Herzlosigkeit und Nichtverantwortlichkeit

Im Standard heißt es heute:

Für Kinderpsychiater Max Friedrich war die Abnahme des Kindes gleich nach der Geburt “nicht korrekt”. Man hätte der Mutter auch die Möglichkeit geben müssen, ihr Kind zu stillen: “Das ist auch eine Frage der Menschenrechte.”

Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits sieht die Sache differenziert: “Wichtig ist eine stabile, sichere Bezugsperson.” Nichts spreche dagegen, dass das auch der Vater sein könne. Dazu komme, dass Kinder, die über einen längeren Zeitraum bei inhaftierten Müttern leben, “sehr wohl das Eingesperrtsein erleben”.

Sie plädiere für einen “feinfühligeren, individualisierteren Umgang” aller Beteiligten: “Ich würde mir wünschen, dass sich das Mitleid in diesem Fall vor allem beim Kind manifestiert.”

Habt kein Mitleid mit der Mutter, denn die ist eine Mörderin, und mit Mörderinnen soll man und braucht man keines haben! Eine schwere moralische Insuffizienz der Frau Pinterits. Abgesehen von einem blanken Mangel an Einfühlungswillen. Und Mitleid, meint sie, ist parteiisch, entweder man hat es mit der Mutter oder dem Kind, entweder mit dem Kind oder der Mutter. Mit dem Vater? Pfft, der ist nur Thema als Instrument für das Wohl des Kindes, nicht existent als Person für sich selbst, nicht empfindungs- und gefühlsfähig, nicht leidensbegabt und daher möglichen Mitleids nicht würdig? Frau Pinterits ist Kinder- und Jugendanwältin, es ist ihr nicht zuzumuten, Eltern gleichermaßen als menschlicher Anteilnahme bedürftig zu erachten. Das kann sie nicht, entweder – oder; so viel Mitleid, daß es für Drei reicht, schafft sie nicht aufzubringen. Deshalb macht sie auch parteiische Arbeit für Kinder und Jugendliche, als gäbe es einen Klassenkonflikt zwischen Kindern und Eltern und zwischen den Generationen überhaupt. So wie der Rest der Sozialarbeiterwelt parteiische Arbeit für Frauen und Mütter macht gegen die Klassenfeinde Männer-und-Väter und Kinder.  Verschleiert mit der Bezeichnung Frauen-und-Kinder, weil es abstoßend wirkte, wenn man die Kinder als Klassenfeinde der Mütter auswiese.

Und nein, wichtig ist nicht eine stabile, sichere Bezugsperson, sondern wichtig sind die Eltern. In der Situation, eben auf die Welt gekommen zu sein, ist es die Mutter, die weiterhin als Erste wichtig ist, und die Isolierung von der Mutter ist für das Kind ein Horror, der sich unbewußt einnistet und lebenslang verunsichernd wirkt. Umgekehrt schafft man der Mutter einen tiefen und verunsichernden Schrecken, wenn man ihr das Kind nach der Geburt wegnimmt, der es ihr später sehr viel schwerer macht, mit dem Kind in die reibungslose Resonanz zu kommen, aus der die notwendige Selbstverständlichkeit und Sicherheit gespeist ist, mit der sie im ungestörten Fall auf die Bedürfnisse des Kindes antwortet.

Daß die Kinder das Eingesperrtsein erleben – na und? Kinder kommen damit zurecht, ihre Welt so zu erleben, wie sie ist. Und wenn der Vater (oder sonst jemand dafür) da ist, lernen sie durch ihn die Welt außerhalb des Gefängnisses ebenso als Teil ihrer Lebenssphäre kennen. Nur aus der Perspektive unempathischer Erwachsener ist das Aufwachsen bei der Mutter im Gefängnis ein Nachteil oder eine Störung oder Behinderung für die Entwicklung. Es liegt an der Haltung der Eltern und der anderen Erwachsenen rund um das Kind, ob sie ein Drama daraus machen, das Kind selbst hat damit nichts am Hut. Wenn es älter wird, werden die Unterschiede zwischen draußen und drinnen automatisch deutlicher und wichtiger, und es wird daher spontan mehr Zeit draußen verbringen wollen und müssen, um mit den anderen Kindern draußen mitmachen und mithalten zu können. Die Mutter wird mit der Zeit eben nur besucht werden, na und? Kindergärtnerinnen und Lehrer sind durchaus imstande, dafür zu sorgen, daß das Kind nicht übermäßig beschämt und gehänselt wird dafür, daß seine Mutter im Gefängnis sitzt. Für ein Kind geht es darum, daß es beide Eltern als Eltern haben darf, sich von beiden geliebt fühlen und beide lieben darf.

Die Grundhaltung von jemand wie Frau Pinderits ist eine Vereinnahmung: Ein Kind ist nicht ein Kind, sondern das Kind seiner Eltern. Was es als Lebensumstände hat und haben kann, ist davon abhängig, welche die Eltern haben und sich erwerben. Eine isolierte Betrachtung rund um den infamen Begriff eines normativen “Kindeswohls” negiert diese fundamentale Realität und stellt den durch nichts zu rechtfertigenden Anspruch, die Allgemeinheit, die Politik, der Staat hätten ein moralisches Recht, neben oder sogar vor den Eltern und weiteren Verwandten des Kindes sich als dessen Hüter und Vormünder aufzuspielen. Über die Grenze des Mißhandelns im engeren Sinn und groben Vernachlässigens hinaus kommt nur den Eltern und Verwandten des Kindes diese Rolle zu. Im konkreten Fall hat das Jugendamt überhaupt nichts mitzureden, es sei denn die Mutter und/oder der Vater hätten es darum gebeten. Weder die Justiz noch die Gerichte noch das Spital sind plötzlich zu Autoritäten über die Elternschaft der Eltern oder über das Wohl des Kindes geworden, weil die Mutter in Untersuchungshaft sitzt. Und wie die inzwischen berichteten allgemeinen Umstände in den Justizanstalten und die gesetzlichen Regelungen zeigen, ist dem auch prinzipiell Rechnung getragen. Ihre praktische Anwendung allerdings ist eine Katastrophe, wie aus den Angaben in den verschiedenen Artikel zum Fall im Kurier hervorgeht. Für jedes Arrangement muß eine Antrag gestellt werden, der Wochen zur Entscheidung braucht, als wäre es für ein neugeborenes Kind und seine Mutter egal, ob und wie lange sie voneinander getrennt wären, oder als wäre es für Vater und Kind so, als ginge ein Amtsweg mit bürokratisch verursachten Fristen vor, und auf der Seele eines Kindes dürfte von Rechts wegen herumgetrampelt werden, wenn Behörden das tun.

Der Kurier schreibt:

[S]ie ist traumatisiert“, sagte ihr Anwalt Werner Tomanek nach einem kurzen Besuch. Wenig später wurde Estibaliz C. am Freitagnachmittag in die Justizanstalt Josefstadt überstellt. Ihr Baby durfte sie bis dahin noch immer nicht sehen oder berühren. Und es wird noch einige Tage, vielleicht sogar Wochen dauern, bis es so weit sein wird. „Herzlos“ oder „absoluter Wahnsinn“ lauteten die teils heftigen Kommentare der psychologischen Kapazunder von Ernst Berger über Max Friedrich bis zu Rotraud Perner. Am Freitag ruderte das Wiener Jugendamt zurück: „Es hat niemand gesagt, dass sie ihr Kind nicht im Arm halten darf“, erklärte MA-11-Sprecherin Herta Staffa. Das Amt habe keinerlei Einwände, dass die des Doppelmordes verdächtigte Estibaliz C. und ihr kleiner Roland im Spital zusammen sind.

„Auch von unserer Seite gibt es überhaupt kein Problem damit“, erklärt Peter Prechtl von der Vollzugsdirektion. Plötzlich war alles nur ein Missverständnis. Das Jugendamt bestätigte zumindest den KURIER-Bericht, dass es ein Schreiben an das Kaiser-Franz-Joseph-Spital gerichtet hatte. Wie berichtet, war dabei von einer möglichen „Gefährdung des Kindes“ die Rede. Die MA 11 sprach davon, dass es sich aber „nur um ein Informationsschreiben, einen Formular-Vordruck“ gehandelt habe. Die Entscheidung habe das Spital getroffen.

Eine Reihe von Anzeigen wegen Kindesmißbrauchs und Verletzung der Bürgerrechte, sowohl der Eltern- als auch der Kinderrechte gebührt den Verantwortlichen beim Jugendamt, bei der Justiz und im Spital, durchprozessiert ohne Nachsicht.

Zusätzlich hat sich die Politik damit zu befassen und Mängel in den Gesetzen zu beheben, die Derartiges ermöglichen oder unterstützen.

Konkreter wird die Presse heute, was die Täter betrifft. Völlig unerwarteterweise sind sie allesamt ein- und desselben Geschlechts, und das ist nicht das des allgemeinen postpatriarchalen Feindbilds:

Dass die Verdächtige – sie soll zwei Expartner ermordet, zerstückelt und einbetoniert haben – ihren Sohn gar nicht sehen durfte, sei nicht die Intention des Jugendamts gewesen, sagt der Leiter der MA 11, Johannes Köhler. „Wir hätten nichts dagegen gehabt, wenn sie das Kind in Händen hält“, so Köhler im Gespräch mit der „Presse“. Die diensthabende Ärztin habe „in Panik reagiert und hat das Kind von sich aus weggebracht“.

Er wolle der Ärztin keinen Vorwurf machen, sagt Köhler, „aber das Jugendamt hat das Kind der Mutter nicht entrissen“. Die MA 11 habe dem Spital im Vorfeld lediglich – wie in derartigen Fällen üblich – per Fax mitgeteilt, dass sie nach der Geburt zu verständigen sei. Davon, dass das Baby der Mutter nicht „ausgehändigt“ (wie es im Beamtendeutsch heißt) werden darf, sei keine Rede gewesen.

Im Krankenanstaltenverbund, zu dem das KFJ gehört, relativiert man: Jedes Baby, das per Kaiserschnitt auf die Welt kommt, werde gleich nach der Geburt in das 20 Minuten entfernte Preyer’sche Kinderspital zur Untersuchung gebracht. „Danach durften wir das Kind aufgrund des Schreibens der MA 11 nicht mehr weitergeben“, so eine Sprecherin. Jugendamtschef Köhler widerspricht: Üblicherweise dürfen Kinder – unter ständiger Überwachung – so lange bei der Mutter bleiben, bis diese aus dem Spital entlassen wird. Als Konsequenz dieses Missverständnisses, so Köhler, wolle man in Zukunft in derartigen Schreiben an Spitäler explizit vermerken, ob das Kind der Mutter ausgehändigt werden darf oder, wie im Fall von psychisch schwer kranken Müttern, nicht. Rückgängig habe man die sofortige Trennung nicht mehr machen können, so Köhler. Die Staatsanwältin habe das unterbunden.

Dass sich das Jugendamt – konkret: zwei Sozialarbeiterinnen – überhaupt für eine Kindsabnahme entschieden habe, sei der richtige Schritt gewesen. „Immerhin ist die Frau verdächtig, zwei Morde begangen zu haben“, sagt Köhler. „Es gibt noch kein psychiatrisches Gutachten. Wer sagt, dass sie keine psychische Störung hat und dem Kind etwas antut?“ Letzteres könne man trotz Überwachung in der Haft nicht ausschließen, „sonst gebe es ja auch keine Selbstmorde in Gefängnissen“.

Täter Nr. 1 und 2: zwei Sozialarbeiterinnen des Jugendamts

Sie werden vom “Jugendamtschef” bzw. Leiter der MA 11, der wahrscheinlich damit nichts zu tun hatte, nach ein paar Tagen kategorisch in Schutz genommen. Warum, er könnte genauso sagen, das Vorgehen werde untersucht, bis dahin könne er nichts Näheres darüber sagen? Und mit welcher hanebüchenen Chuzpe er sie rechtfertigt: Deswegen, weil jemand vor Jahren zwei Morde an erwachsenen Männern begangen hat oder haben soll, ist mitnichten davon auszugehen, der Täter sei in einer Art psychisch gestört, daß er oder, in diesem Fall, sie, sein eigenes neugeborenes Kind umbringen würde. Da spielt er strategisch mit dem Vorurteil des Patriarchats,  Frauen seien eines Mordes oder sonstiger Gewalttaten gar nicht fähig, ergo müssen sie verrückt sein, wenn sie aber doch morden.

Dieses Vorurteil wird massiv von feministischen Lobbies angeheizt und instrumentalisiert, so daß es  am laufenden Band vor Gericht als Verteidigungsstrategie durchgeht, und seit längerer Zeit zum Beispiel in Deutschland apriori Mütter, die ihre Kinder ermorden, für nicht schuldfähig erklärt werden, und gar keine Mordprozesse mehr stattfinden. Wobei die USA, zum Beispiel, schon einen Schritt weiter sind und auch Ehefrauen, die ihre Männer im Schlaf erschießen oder beim Rasieren oder ihnen beim Autofahren ein Messer ins Genick rammen, als nicht schuldige Opfer von jahrelangem Psychoterror ihrer Männer Notwehr zubilligen und auch einen schönen psychopathologischen Begriff dafür benutzen, das “Battered Wife Syndrome”.

Natürlich kann jede Mörderin beliebige Geschichten erfinden, und wenn der Gutachter vom Schlag eines Max Friedrich ist, bescheinigt er ihr alles, was sie will, von Depression, Bipolar, Borderline angefangen bis satanistische Vergewaltigungsrituale, deren Opfer sie als Kind war bis zu Stimmen, die ihr befohlen haben, die zwei Männer umzubringen. Aber die konkrete Verdächtige scheint die übliche eiskalte Soziopathin zu sein, die sich durch nichts verraten hatte, die sich jetzt völlig klar darüber ist, daß die Geburt ein Grund ist, ein mildes Urteil zu erhalten. Andererseits, wenn sie wirklich eiskalt ist, bringt sie das Kind um, damit sie glaubwürdig als schwerst psychisch gestört gelten kann, und deswegen nur in die Psychiatrie muß und nach zwei, drei Jahren rauskommt, als geheilt entlassen. Das wäre aber höchst riskant, denn erst zwei Erwachsene und dann noch dazu das eigene Kind, geht auch Richtern und Psychiatern mit dem maximalen ödipalen Helferkomplex auf keine Kuhhaut mehr. Da ist es günstiger, sie kommt mit furchtbaren Geschichten von geprügelt, gequält, tyrannisiert und vergewaltigt worden Sein von ihrem damaligen Ehemann und ihrem damaligen Freund, die sich beide nicht dagegen wehren können. Dann wäre sie der Typ Frau, die aus der Erfahrung von Mißhandlung in der Kindheit durch den Vater sich immer wieder solche Männer sucht, die diese wiederholen.

Unabhängig davon – wenn sie nicht auf die Sozialarbeiterinnen und auf andere einen derart unberechenbaren und gefährlichen Eindruck gemacht hat, daß daraus ein Verdacht auf eine mögliche Mißhandlung des Kindes naheliegt, ist die Begründung des Leiters der MA 11 nur billige Nähkränzchenrhetorik.

Täter Nr. 3: Die Ärztin bei der Geburt

Sie hätte in Panik reagiert. Ich würde eher sagen, sie hat präventiv übereifrig nach dem vom Schreiben des Jugendamts gehandelt, auf Nummer Sicher gehend, ohne die Situation selbst zu beurteilen, weder von der Verfassung der Mutter her noch von den Gestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf das Schreiben. Ein Telefonanruf beim Jugendamt, um das Konkrete zu klären, wäre ja auch machbar gewesen. Menschlich vertretbar hat sie jedenfalls nicht gehandelt. Mitgefühl mit der Situation von Mutter und Kind – keine Spur. Alles, was sie bewegt haben dürfte, war offenbar, sich selbst und die Abteilung aus dem Schneider zu bringen.

Täter Nr. 4: Die Staatsanwältin

Sie hätte den Versuch, die Trennung rückgängig zu machen, unterbunden. Wenn’s war ist: Ebenfalls Null Empathie, null Mitgefühl, null Mitleid, keine Spur von Anstand oder Menschlichkeit. Von der Rechtmäßigkeit ist nicht begründet zu reden, aber sie wäre gegebenenfalls inakzeptabel. Man muß es wiederholen: Was kann das Kind dafür, daß die Mutter wegen des Verdachts auf zweifachen Mord in Untersuchungshaft sitzt? Dieser Gedanke hätte bei allen Beteiligten an erster Stelle handlungsanleitend stehen müssen. Und wie man mittlerweile vom Leiter der Justizanstalt und vom Leiter der MA 11 mehrmals gehört hat, wären die organisatorischen Möglichkeiten gegeben gewesen, und ist es in der Vergangenheit praktisch so gehandhabt worden, daß das Wohl des Kindes einerseits und andererseits das der Mutter als dessen Mutter im Vordergrund gestanden ist, nicht ihre Eigenschaft als Gefangene.

Vier Täterinnen also, und zwei Chefs und alle beteiligte Welt mauern, lügen, reden beliebig aus, führen Mißverständnisse an. Daß irgendjemand von den Vieren vielleicht falsch gehandelt haben könnte, fahrlässig oder schuldhaft, daß man diese Frage untersuchen müßte, davon ist bislang keine Rede. Frauen werden eben mit allen zu Gebote stehenden Mitteln und Kräften davor bewahrt, für etwaige Fehler geradestehen zu müssen.

Von der grundsätzlichen Frage, daß ein Vater keine automatische und uneingeschränkte elterliche Autorität über das Schicksal seines Kindes hat, wenn der Mutter die Ausübung ihres Teils daran von Amts wegen verwehrt wird, sondern der Staat sich jene anmaßt, davon war bis jetzt kein Sterbenswörtlein zu vernehmen. Da könnten wir ja gleich das Matriarchat in Frage stellen, nicht!

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Ergänzung vom 14. 1. 2012

Die Täterin als Opfer der Opfer

Aus einer Presseaussendung von NEWS vom 21. 12. 2011 bestätigt sich die Verteidigungsstrategie, die ich oben der Angeklagten als die wahrscheinliche und günstigste unterstellt habe:

Wie NEWS in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, sagt die 33-Jährige über die Hintergründe zu dem Delikt an ihrem Ex-Mann Holger H. nun, dass er sie unterdrückt, sie zu Schießübungen und Besuchen bei Veranstaltungen der Hare-Krishnas gezwungen zu hätte. Als er sich schließlich geweigert hätte, ein Kind mit ihr zu bekommen, habe sie die Trennung beschlossen. Doch auch nach der Scheidung lebte das Paar noch zusammen: “Und dann kam dieser Abend im Frühjahr 2008”, so Estibaliz C., “und Holger quälte mich. Stundenlang. Er brüllte mich an; bezeichnete mich als Versagerin. Ich ließ alles über mich ergehen; bis plötzlich etwas in mir explodierte. Ich griff nach einer seiner Waffen. Und drückte ab.”

Über das Verbrechen an Manfred H., mit dem die “Eiswitwe” ein paar Monate nach Holger H.s Tod eine Beziehung eingegangen war, erzählt die Mordverdächtige : “Auch er unterjochte mich sehr; und er betrog mich.” In der Nacht vom 21. auf den 22. November 2010: eine Aussprache, bei der sie ihren Lebensgefährten gefragt hätte, warum er ihr nicht treu sein könne: “Seine Antwort: ,Ich brauche Abwechslung.’ – und dann legte er sich nieder; und schlief ein. Ich, daneben. Wach. Ich stellte mir vor, wie er andere Frauen im Arm hält. Bilder, die ich nicht ertragen konnte. Und ich holte eine von Holgers Waffen. Und zielte auf Manfred.”

Klarstellung

Ronald Escher in einem Kommentar in den Salzburger Nachrichten vom 13. 1. 2012 subsumiert wie der Autor hier:

Beide haben ein Recht aufeinander, unbeschadet jeder Anklage. Alles andere ist menschenunwürdig.

Frauenpolitische Malaise

Die Resistenz der Bevölkerung gegen “frauenpolitische” Umerziehung beklagt vorwurfsvoll Petra Stuiber in einem Kommentar im Standard vom 13. 1. 2012, die Abwesenheit von Einfühlungsvermögen und Mitgefühl demonstrierend, die feministische Politik gegen die Mutterschaft und die Familie erst ermöglicht:

Bei allem zu Zeitungspapier gebrachten Mitleid mit der Frau schwingt freilich auch ein reaktionärer Grundton mit, und der lautet: Egal, was passiert, ein Kind gehört zu seiner Mutter. Da wird die Biologie bemüht, das “Wunder des Lebens” besungen und so getan, als sei das Traumatischste, was einem Baby passieren könne, dass sich sein Vater liebevoll und bestmöglich um es kümmert.

User singen in Online-“Abstimmungen” völlig undifferenziert das Hohelied der leiblichen Mutter, apodiktische Sätze wie “Ein Neugeborenes gehört zur Mutter” bleiben weitgehend unwidersprochen. Interessant auch, dass die sonst so aktiven Väterrechtler geräuschvoll schweigen. Jahrzehnte frauenpolitischer Bemühungen, Männer stärker in ihre väterliche Verantwortung zu nehmen – alles für die Katz’, wenn 2012 eine Gesellschaft immer noch so tickt.

Ja, Kindchen, keif’ nur, es wird Dir guttun! Es ist ja wirklich unerhört, nicht, daß die Männer die Mutterschaft ernstnehmen und die natürlichen Bedürfnisse von Kindern nicht ausblenden, wenn sie damit billiges politisches Kapital schlagen könnten. Tragisch fürwahr, daß Männerrechtler nicht so herzlos und egozentrisch sind wie Frauenrechtlerinnen!

Rationalisierungen der falschen Autorität des Jugendamts

Die Presse vom 14. 1. 2012 zitiert Sozialarbeiter und eine Analytikerin:

[Über das Frauengefängnis in Schwarzau]:

Dort leben derzeit fünf Frauen zwischen 26 und 37 Jahren mit ihren sechs Kindern. Diese sind zwischen einem halben Jahr und fast drei Jahren alt. Es sind österreichweit die einzigen Kinder, die eine Zeit lang mit ihrer Mutter im Gefängnis bleiben dürfen. Möglich macht das ein Gesetz, wonach Kinder bis zum dritten Lebensjahr bei der Mutter bleiben dürfen, solange sich das Jugendamt damit einverstanden erklärt. „Meist bleibt das Kind aber nur bei der Mutter, wenn absehbar ist, dass die Mutter vor dem dritten Lebensjahr des Kindes freikommt und es sonst keine andere Bezugsperson gibt“, sagt Helmut Maier, Leiter des Psychosozialen Dienstes in Schwarzau.

“Solange das Jugendamt sich damit einverstanden erklärt”, das ist der Schlüsselsatz. Und danach müßte es korrekt heißen: “Meist darf das Kind aber nur bei der Mutter bleiben …”. Denn wie der Titel dieses Beitrags heißt, es geht darum, daß Kinder Staatseigentum sind. Sie werden den Eltern nur geliehen, nach Ermessen des Eigentümers, stellvertreten durch Sozialarbeiterinnen des Jugendamts.

Dass Kinder im Gefängnis aufwachsen können, sieht der Sozialarbeiter zweischneidig. Einerseits sei die Bindung des Kindes an die Mutter besonders stark, weil sie sich Tag und Nacht mit den Kindern beschäftigt, andererseits belaste das Kind natürlich auch die Mutter. Wenn es etwa krank wird: „Dann leidet die Mutter mit.“

Daß Kinder zuhause bei einer nicht berufstätigen Mutter aufwachsen dürfen – “können” ist wieder Verschleierung – sollte man zweischneidig sehen. Weiter wie oben im Zitat. Denn stellen Sie sich vor, Kinder belasten ihre Mütter und ihre Väter natürlich auch. Wenn sie etwa krank werden. Dann leiden die Eltern mit.

Gefängnis nicht schädlich für Kind.„Langfristig wirkt sich der Gefängnisaufenthalt eines Kindes nicht schädlich auf das Kind aus“, sagt Psychoanalytikerin Rotraut Erhard.

Damit hat sie recht (s. meine Ausführungen oben).

Dass, wie bei Estibaliz C., das Kind gleich nach der Geburt weggenommen wird, sei laut Erhard gängige Praxis. „In den ersten Minuten ,bondet‘ eine Mutter mit dem Kind. Der Mutter danach das Kind wegzunehmen, wäre noch viel schlimmer für die Mutter gewesen.“ Als Ersatz könnte der Vater in den ersten Tagen den Kontakt zum Kind herstellen. Gibt es den auch nicht, baue das Kind zu keinem Menschen eine spezielle Beziehung auf. „Das ist zwar nicht ideal“, meint Erhard, „kann aber in späteren Jahren aufgearbeitet werden.“

Das ist nichts weiter als Rechtfertigung der Gewohnheit des Jugendamts, Mütter und Kinder durch erzwungene Trennung zu mißhandeln. Zynisch von Anfang bis Ende. Schädigen wir die Kinder halt, mein Gott, wofür gibt es Psychoanalytiker! Hauptsache, das Jugendamt kann seine Autorität über die Eltern ausagieren!

Viel schlimmer sei es, das Kind zuerst ein halbes Jahr lang im Gefängnis aufwachsen zu lassen – und es erst danach zu seinem Vater zu geben. „So ein Kind kann sich ja nicht einfach umstellen, für das bricht eine ganze Welt zusammen“, sagt Erhard.

Genau, oder nur ein Vierteljahr oder ein Dreivierteljahr. Wenn man einmal mit dem Rationalisieren der Schweinerei angefangen hat, muß man mit Scheinlegitimationen Schritt für Schritt weitermachen. Denn wie wir wissen, aus physikalischen Naturgesetzen kann man das Kind nur entweder bei der Mutter oder beim Vater aufwachsen lassen. Das Raumzeitkontinuum verhindert es, daß so ein Vater das Kind, solange es gestillt wird, immer wieder für ein paar Stunden mit nach draußen nimmt, und vor allem öffnete sich ein allesverschlingendes schwarzes Loch, würde er es, wenn es nicht mehr gestillt wird, nach und nach daran gewöhnen, daß es auch bei ihm in seiner Wohnung zu Hause ist.

Und der umgekehrte Fall? Wenn ein Kind seine Mutter im Gefängnis nur besuchen darf: „Auch in einer Besuchsstunde kann eine Mutter ihrem Kind zeigen, dass es geliebt wird“, sagt Erhard. Wertschätzung, auf die komme es an. Und auch, wenn der Kontakt nur sporadisch sei – ein Kind vergesse seine Mutter nicht einfach.

Wieder die gleiche absurde Vorannahme, das Kind könne nur bei einem der beiden Eltern zuhause sein, einer der beiden müsse zum Besuchselternteil degradiert werden. Und wenn der Kontakt nur sporadisch ist, entfremdet sich ein kleines Kind von einem schneller, als man schaut, das ist die Realität. Erst bei größeren Kindern ist da ein Spielraum, aber “sporadisch” ist immer zu wenig. “Zeigen, daß es von der Mutter geliebt wird” ist nicht das, worum es geht. Die intimste und engste Bindung fortzusetzen, nur einen Grad loser als im Mutterbauch, darum geht es bei einem Säugling, nicht um ein Wissen, daß man geliebt wird, das kann man nicht einmal einem Dreijährigen zumuten als Ersatz. Es geht nicht um kognitive Konstellationen sondern um leibhafte und unmittelbare sinnliche Erfahrung.

„Wir wollen immer wissen, woher wir kommen“, sagt Psychoanalytikerin Erhard. Vollkommen egal, ob das Kind sich noch daran erinnern kann, wo es aufgewachsen ist.

Damit irrt sie sich überhaupt in der biographischen Zeit, jetzt ist sie bei Erwachsenen. Was denen in der Rückschau das nicht verzichtbare Mindeste darstellt, für das Adoptivkinder und andere, die nicht mit beiden Eltern aufgewachsen sind oder deren Identität nicht kennen, in späteren Lebensjahren zur Suche nach ihnen drängt, bei der sie keinen Aufwand scheuen, ist nicht im geringsten damit zu vergleichen, was wir als Kinder zu unseren Eltern hin brauchen, und was uns von vornherein naturgemäß zusteht.


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  • Three California women drag man from truck to beat him in violent road-rage incident | Rates of female violence are rising while rates of male violence continue to fall
  • 1/3 domestic violence victims now men. Yet it is still considered a gendered crime against women. Why?
  • Can you just FEEL the male privilege oozing from this email I got?
  • Cork feminist group forced to apologise to Fathers4Justice for libel and pay damages for falsely claiming they "promoted domestic violence"
  • The Red Pill on Netflix.
  • Trailer for new feminist MTV show has women stabbing and beating up men because equality