Infantilitätswettbewerb mit Feuerwerk

Demonstration gegen den Burschenschafterball in der Wiener Hofburg

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Alle Fotos: Die Presse

3000 infantile Demonstranten gegen 3000 infantile Ballbesucher. Die einen spielen Revolutionäre, die anderen Reaktionäre. Nostalgie zum Quadrat.

Hätten wir eine souveräne Presse, mehr noch, eine souveräne Öffentlichkeit, würde der Kitsch beider Veranstaltungen, des Balls und der Demonstration, als solcher mit Sarkasmus gewürdigt.

So sprechen die Bilder aus, was die Journalisten und Kommentatoren nicht wagen. Ein Clash von Witzfiguren, die sich eine symbolische Identität durch historische Kostümierung verleihen. Studentenverbindungen sind ebenso wie Antifaverbindungen von vorgestern. Deutschnationalismus wie Anarchismus lockt keinen denkenden Zeitzeugen der Gegenwart hinter dem Ofen hervor. So wenig wie ein Historienepos aus Hollywood, in dem die Babylonier gegen die Ägypter antreten. Hollywood weiß das und dreht es daher nicht, die Ballbesucher und die Demonstranten kümmern sich nicht um Relevanz, und Einspielergebnisse sind nicht auf dem Tapet, die Posse ist eine low budget Produktion, und Fotos in der Presse fallen trotzdem ab. Alibi genug, wenn es um Selbststilisierung geht.

Die Öffentlichkeit lenkt sich mit solchen Irrelevanzen ab, um sich die Relevanzen zu ersparen, vor denen alle gleich hilflos stehen.

Das jüngste Gericht der Finanzmärkte tagt in Permanenz und prophezeit den Untergang aller Reiche und Völker, die Mammon huldigen, wie einst der Herr der Heerscharen, durch seine Propheten, die Ratingagenturen.

Die Herrscher sind so hilflos wie die Beherrschten, die Zinsnehmer haben alle und alles in ihrer Hand, scheint es. Ihnen wird Tribut gezahlt, ihnen werden Opfer dargebracht, von ihrer Gunst hängen Wohl und Wehe der Völker ab. Scheint es.

Aber auch sie sind nur Marionetten des neuen Großen Geistes, den man nicht ernstlich beim Namen nennt, den man nicht beim Namen nennen darf, weil wir alle von ihm besessen sind.

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als daß ein Reicher in den Himmel kommt. Als Antwort haben wir den Himmel abgeschafft. Und den Reichtum als Segen und Gnade erklärt. Mehr noch, als Notwendigkeit. Entweder wir werden immer reicher oder wir gehen zugrunde. Wer nicht reich werden will, ist ein Menschheitsverräter. Wer nicht anderen dazu verhelfen will, daß sie reich werden, ist asozial. Ohne Wohlstand kann man kein Mensch sein. Heutzutage jedenfalls, inzwischen halt, ist Armut die Hölle, die Entmenschlichung, das Unzumutbare schlechthin, ein Makel und ein Fluch, der Makel und der Fluch, die Schande aller Schanden, der Untergang.

Unsere Korruptheit ist singulär in der Geschichte, sogar in der Evolution.

Tiefer kann man nicht sinken, als den Wohlstand zum Lebenszweck und Heil zu erheben.

Man kann nämlich nicht der Diener zweier Herren sein, hieß es. Woraufhin wir zwei Jahrtausende lang zu beweisen versuchten, daß man es sehr wohl sein kann. Bis auf ein paar Ausnahmen. Eigentlich seit mindestens zweieinhalb, wenn wir Buddhas Armutsgelübde und damit den Osten miteinbeziehen, wie es vernünftig und notwendig ist.

Aber witzig ist, daß wir Buddha, Jesus und Ihresgleichen oder ihnen zu gleichen Strebende mitnichten als Deppen abtun, sondern ihnen die höhere Autorität im Verstehen der Conditio Humana einräumen als den Meistern des Reichtums.

Was ist nun der Witz? Daß wir wissen, alles ist Windhauch, aber dieses Wissen in Schach halten in unserem Handeln. Daß wir uns dumm stellen, solange es geht. Und gehen tut’s bis zum letzten Atemzug, wie die alten Leute beweisen.

Religion ist der Feind. Einsicht ist der Feind. Sogar der Papst ist inzwischen zum Feind erklärt. Das goldene Kalb duldet keine Dissidenz. Genauer gesagt, seine Anbeter.

Also lenken wir uns so kindisch von den zentralen Fragen ab, wie es die schwarz Vermummten und die blau und rot Bekappten vorführen in ihrem Innenstadtschwank. Schließlich sind die Kalbanbeter an der Macht, und schließlich bringt das Kalbanbeten Wohlstand. Eben.

Wer einmal zur Kenntnis nimmt, welches Elend die Pensionisten bewohnen, die alt gewordenen Kalbanbeter, und ganz besonders dann, wenn sie so weit sind, daß sie das Sterben ersehnen, der denkt daran, daß er der gleiche Idiot und Hanswurst ist, wenn er den gleichen Fehler macht wie sie. Dem Windhauch nachzujagen.


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