Habermas: Más Europa o La Muerte!

Mehr Europa oder der Tod!

So sprach Jürgen Habermas zum Standard:

Unsere Nationalstaaten, nicht nur Österreich, sondern auch Deutschland und Frankreich, sind längst zu klein geworden, um erstens mit der überfälligen Regulierung der Finanzmärkte voranzugehen und zweitens auf die Gestaltung der internationalen Ordnung und die Lösung der drängendsten Probleme noch Einfluss zu nehmen.

Wollen die europäischen Bürger wirklich Suizid begehen? Der nationalstaatliche Rahmen reicht nicht einmal mehr aus, um den kulturellen Reichtum und die sozialstaatliche Substanz ihrer Lebensform ins Museum zu stellen, geschweige denn am Leben zu erhalten.

Ja, ich bin auch der Meinung, wir brauchen mehr Lebensraum. Polen bietet sich an, erst einmal, und dann die Ukraine, schon allein wegen dem Korn. Den Balkan haben wir ja schon, oder? Was, Polen auch? Aber die Ukraine noch nicht! Die Türkei ziert sich noch, oder wir noch mehr, aber das läßt sich ändern. Die Vereinigten Staaten von Eurottomanien? Rußland lassen wir diesmal besser ungeschoren, das geht nie gut aus. Aber was ist eigentlich mit Afrika? Zumindest nördlich der Sahara scheinen die Chinesen noch nicht schneller gewesen zu sein. Da wäre Rahmen genug für ein paar Museen. Man könnte Israel als Generalprokurator gewinnen, auch damit die Atomwaffen genug zu verteidigen haben.

Habermas denkt zu kleinbürgerlich. Was soll das für ein Reich sein, das sich vor der Expansion scheut? Und warum sollte die Sonne darin untergehen? Mexiko! Man erinnere sich an Mexiko! Was ist der Peso gegen den Euro? Und Japan! Japan war uns schon einmal treu bis in den Tod. Warum nicht Euro und Yen fusionieren? Besser als Harakiri.

Und wie steht’s mit Heiratspolitik? Wenn Merkel Putin nähme, wären wir aus dem Schneider. Endlich wehrfähig! Oder Glawischnig, damit es für ihn nicht zu peinlich ist. Der Hausmann hat sowieso keine erotische Zukunft in Konkurrenz mit einem martialischen Macho. Es wäre auch eine Wiedergutmachung, das müßte Eva moralisch überzeugen.

Andererseits, ist ein finanzmarktassistierter Suizid so schlimm? Die Alte Welt ist in der Altersdepression, daran gibt es nichts zu deuteln. Die Zukunft gehört den Chinesen, den Indern, den Brasilianern, danach den Afrikanern. Was wollen wir senilen Trottel da noch? Nicht umsonst sondern in weiser Voraussicht sterben wir aus und überlassen das Feld denen, die noch Kinder kriegen. Unsere Enkel werden unter der Scharia leben oder auswandern müssen, illegal. Im Atlantik ersaufen, begleitet vom mitleidigen Achselzucken der nord- oder südmerikanischen oder chinafrikanischen Journalisten.

Aber lustig ist es schon, daß Habermas die Diktatur des Profitariats verlangt.

Nicht, daß er es so sagt, ganz im Gegenteil. Die Auflösung der Nationalstaaten zum Europäischen Reich soll die Demokratie eben davor retten. Daß es das vom Zügel gelassene Kapital ist, das genau das erpreßt und von den Politikern ausagiert betreibt, ist ihm kein Widerspruch. Er klammert sich an die kindische Illusion eines irgendwie edel motivierten “europäischen Projekts”. Wie naiv kann man als Soziologe eigentlich sein?

Ein verblendeteter Idealismus steckt dahinter, der den Nationalstaat als reaktionären Rückfall der Geschichte deutet, im Hintergrund die sozialistische Weltrevolution und die VR Terra. Inzwischen halt ersetzt durch die kapitalistische und die Vereinigten Staaten der Erde, zu denen die von Europa ein Schritt wären. Daß jedes Reich totalitär operiert, Identität und Freiheit und Demokratie unterdrückt statt fördert, sollte offensichtlich sein. Daß alle Reiche anachronistisch sind, auch. Die Sowjetunion und der Ostblock sind nicht bloß aus ökonomischen Schwächen zerfallen. China wird nur  durch die eiserne Diktatur (noch) zusammengehalten. Die USA stabilisieren sich durch, wie Gore Vidal es nennt, imperialistischen “permanenten Krieg für permanenten Frieden” und sind noch schneller als die EU dabei, sich in einen Überwachungs- und Polizeistaat zu verwandeln. Daß sie die EU-Staaten dazu erpreßt haben und fortlaufend weiter erpressen, ihre Bürger von amerikanischen Geheimdiensten überwachen und bespitzeln zu lassen, sollte deutlich machen, was der Zug der Zeit ist. World Governance meint weltweite Überwachung und lückenlose Kontrolle der Bürger durch eine Weltregierung unter amerikanischer Führung. Zur freien Selbstverwirklichung des Finanzkapitals, unbehindert durch irgendwelche Interessen, die irgendein Sterblicher erfolgreich dagegen vertreten könnte.


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