Shoa 2012

Also erstens droht die zweite Shoa, auch wenn Sie’s nicht für möglich gehalten hätten. Damit werden Sie wohl nicht allein sein, aber es scheint, als änderten sich die Zeiten so viel schneller als man denkt. Oder wollen Sie etwa Ariel Muzicant von der Israelitischen Kultusgemeinde widersprechen? Wohl nicht, denn dann hätten Sie sich bereits als geistiger Wegbereiter des Großen Unheils Nr. 2 entlarvt.

Zweitens droht die Vertreibung von Christen und Muslimen. Ja, es soll die Religion in Österreich ausgerottet werden, wie Sie merken. Wie bitte, Christen? Die auch? Opium ist Opium, wurscht ob aus Rom, Mekka oder Jerusalem geliefert! Oder die Presse hat sich verschrieben.

Drittens soll jüdisches und muslimisches Leben verunmöglicht werden. Wie? Das bleibt Ihrer Phantasie überlassen. Sie denken an Zwangsabtreibung oder die Freisetzung religionsspezifischer Viren? Den Österreichern ist alles zuzutrauen, das weiß man doch, die sind zum Beispiel Kannibalen und vertilgen Buren in Würsten, Frankfurter in Würsteln, Kapuziner in Krapfen, Schweden in Bomben und dergleichen. Wobei die Religionsfeindlichkeit, wie ersichtlich, traditionellerweise Anlaß zu Nachspeiserezepten gibt. Oder ist das nicht vielmehr Religionsfreundlichkeit, wenn man Kapuziner süß zubereitet und zur reinen Gaumenfreude destiniert, die erst genossen wird, wenn der Hunger mit Laien gestillt ist?

Viertens droht den Muslimen das Fingernägelschneiden gesetzlich verboten zu werden. Das ist eine besonders fiese Form von Vertreibung durch Beschämung. Wer kann sich nach ein paar Monaten geschweige denn Jahren ungeschnittener Fingernägel noch öffentlich sehen lassen, ohne verspottet und verhöhnt zu werden? Und wie soll man seine Hände dann noch für die täglichen Verrichtungen benutzen können, für die Hygiene zum Beispiel oder fürs Kochen? Scham, Krankheiten und Mangelernährung sollen die Widerstandskraft der Muslime brechen, bis sie flüchten.

Fünftens sollen Schönheitsoperationen am Penis kleiner jüdischer und muslimischer Buben in Zukunft verboten werden, das heißt, ihr Selbstwertgefühl soll beschnitten werden, was zu traumatischen Minderwertigkeitskomplexen, Depressionen und Suizidalität führen kann. Kann? Nein, eben soll – das ist die unsägliche Perfidie. Vom Kindergarten an sollen sie sich schämen, gehänselt und drangsaliert von den anderen Buben und mit 15 ausgelacht von den Mädchen, denen sie dann sich sowieso nur im Dunklen und mit bereits übergezogenem Präservativ entblößt zur Schau zu stellen wagen.

Unbestätigten Gerüchten zufolge soll es sich um einen Aufstand der Atheisten handeln, möglicherweise in Verschwörung mit Maoisten, Neonazis und Altphilologen, die eine neue Renaissance herbeisehnen. Andererseits kann auch nicht ausgeschlossen werden, daß der iranische Geheimdienst die Fäden zieht, um einen Vorwand für einen atomaren Angriff auf die Israelische Kultusgemeinde in Wien zu provozieren. Auf jeden Fall wird man an Al-Kaida und die Taliban denken müssen, die immer auf der Suche nach lohnenden Terrorzielen sind.

Die vernünftigste Lösung wäre wohl die Einführung der Scharia für die Muslime und eines Diplomatenstatus für die Juden samt eines Extraterritorialstatus für jüdische Wohnungen, Synagogen, Schulen, Kindergärten und andere Gemeinschaftszentren, eventuell einfach die Gültigkeit israelischen Rechts für Angehörige der Israelitischen Kultusgemeinde.

Angesichts der massenmörderischen Bedrohungslage braucht man auch nicht pingelig sein, was den Wahrheitsgehalt, die Moral und Ethik und das rechtsstaatliche Verständnis der öffentlichen Äußerungen der diversen Religionsfunktionäre betrifft.

Es ist daher egal, daß Oskar Deutsch von der Israelischen Kultusgemeinde behauptet, ausnahmslos alle Juden seien beschnitten, anstatt darauf hinzuweisen, daß es z.B. eine amerikanische Webseite “jewsagainstcircumcision.org” gibt, die von 2 % unbeschnittenen spricht, oder daß in Israel seit 2000 eine Gruppe von Eltern existiert, die ihre Söhne nicht beschneiden und Informationen zum Thema bereitstellen.

So wie es egal ist, daß geflissentlich so getan wird, als habe das Kölner Urteil die Kritik an der Beschneidung von Babies und kleiner Buben in einer Art typisch deutschem Sonderfall erst ausgelöst, während in der Männerrechtsbewegung international, unter anderem in Deutschland von Manndat.de schon seit Jahren daran Kritik erhoben wird. (Links s. hier).

Es ist auch nicht wahr, daß sich Stimmen erhoben haben, die den Funktionären der Religionsgemeinschaften das Ohrenkuppieren androhen, nicht einmal das Ohrringstechen oder das Zungenpiercen.

Wahr hingegen ist, daß die Proponenten der Kindesmißhandlung drauf und dran sind, die Politiker zu einem Bekenntnis zu nötigen, daß Kindesmißhandlung keine ist und keine wird, solange die Mißhandler den Antisemitismusvorwurf erheben oder den der Islamophobie. Immerhin, man unterstellte es dem gütigen Wohlwollen der in der Bronzezeit und im Mittelalter steckengebliebenen, sich noch ein paar Tausend Jahre Zeit zum Einholen der Gegenwart zu nehmen – und das wäre nun wirklich einmal zukunftsorientierte Politik.

Wahr ist außerdem, daß ich Leute kenne, die anläßlich der Pressekonferenz zur Verteidigung der magisch motivierten Genitalverstümmelung aus der katholischen Kirche austräten, hätten sie’s nicht schon früher getan. So bleibt ihnen nichts, als den vorletzten vor dem letzten Rest an Sympathie fahren zu lassen, der daher stammt, daß es sonst überhaupt keine Religionsgemeinschaft gibt, die auch nur den minimalen Funken Anstand beweist, der nötig ist, die Abtreibung als Verbrechen zu qualifizieren.

Daß Gott sich ankotzt angesichts des erbärmlichen Opportunismus zur Beschneidung, kann man beruhigt ins Glaubensbekenntnis aufnehmen.

Zum Nachlesen:

Aus der Presse vom 27. 7. 2012:

Beschneidung: Kirchen fordern Regierungsstatement

Regierung soll mit Bekenntnis zur Zulässigkeit des Eingriffs Debatte beenden. Ob es ein „Regierungsbekenntnis“ gibt, ist offen. Der Bundespräsident wollte sich nicht äußern.

Wien/Uw.Dass die rituelle Beschneidung bei kleinen Buben laut Justizministerin erlaubt ist und Beatrix Karl keinen Handlungsbedarf sieht, reicht offenbar nicht. In einer gemeinsamen Pressekonferenz forderten gestern, Freitag, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Fuat Sanac, der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, und der evangelische Bischof Michael Bünker ein „Bekenntnis der Bundesregierung“ – zur Zulässigkeit des Eingriffs im Speziellen und zum Recht der Eltern auf religiöse Erziehung im Allgemeinen. Das Statement, hofft Sanac, werde die Verunsicherung und die Debatte, die einem deutschen Urteil folgten, „friedlich“ beenden.

Beschneidungsverbot: ”Geistige Vertreibung”

Kirchen vergleichen mit Fingernägel schneiden und Ohrringe stechen


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