Menschen getötet, Frauen und Kinder entführt

Die Presse schreibt am 12. 3. 2012:

Bei Stammeskämpfen im Südsudan sind mehr als 200 Menschen getötet sowie hunderte Frauen und Kinder entführt worden. Der Gouverneur des Teilstaates Jonglei im Nordwesten des Landes, Kuol Manyang, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Montag, 223 Menschen seien getötet und 150 verletzt worden. Überdies seien rund 300 Frauen und Kinder entführt worden.

Und weiter unten:

Ein Mensch sei auf dem Weg zum Krankenhaus gestorben. Ein Team von Hilfskräften habe am Ort der Überfälle die Leichen von im Kampf getöteten Menschen gesehen, hieß es in der Mitteilung.

Früher gabe es unter den Menschen Männer, Frauen und Kinder. Jetzt gibt es auf der einen Seite, nämlich der der Getöteten, Menschen, auf der anderen, der der nicht Getöteten sondern bloß Entführten, Frauen und Kinder.

Komisch.

Das Verstecken des Leids von Männern ist der Presse jede Erbärmlichkeit wert. Jeder weiß, daß die Männer es sind, die zur Verteidigung ihres Dorfes kämpfen und daher Männer im Kampf getötet werden und nicht unspezifierte Menschen. Im ganzen Bericht kommt das Wort Mann oder das Wort Männer nicht einmal vor. Es gibt Tote und getötete Menschen, aus!

Sonst müßte man lesen:

Bei Stammeskämpfen im Südsudan sind mehr als 200 Männer getötet sowie hunderte Frauen und Kinder entführt worden.

Genauer:

Bei Stammeskämpfen im Südsudan sind mehr als 200 Männer und Burschen getötet sowie hunderte Frauen und Kinder entführt worden.

Und die Überschrift hieße:

Überfälle im Südsudan: Mehr als 200 tote Kämpfer

12.03.2012 | 21:06 |  (DiePresse.com)

Rund 300 Frauen und Kinder sollen bei Stammeskämpfen im Nordwesten des Landes entführt worden sein.

Man beachte die Subtilität, mit der sichergestellet werden soll, daß die versteckten Männer nicht bloß deswegen, weil sie umgebracht wurden, so viel mehr ins Licht der Empörung und der Betroffenheit rücken: Man spricht nicht von mehr als 200 Menschen-Männern im Vergleich zu mehr als 300 Frauen-und-Kindern, sondern bei letzteren von hunderten. Die Gefahr besteht nämlich, daß der Leser zweimal mitdenkt, erstens bemerkt, daß Menschen hier für Männer steht, und zweitens, daß getötet zu werden ein unvergleichbar tragischeres Schicksal darstellt als entführt zu werden. So soll zumindest das Zahlenverhältnis zugunsten der Nichtmänner verschoben erscheinen.

Man kann sich jetzt überlegen, wie oft entführt zu werden man einmal umgebracht zu werden vorzöge. Lieber 10 Mal entführt als einmal getötet? Lieber 20 Mal, 50 Mal, 100 Mal?

Man ahnt, wie schwer es der Presse fallen muß, Geschlechtergerechtigkeit herzustellen, was die Verteilung der Ressource Mitgefühl betrifft.

Sie meint es nämlich gut, die Presse. Angesichts dessen, daß Frauen-und-Kinder um skandalöse Prozente weniger Einkommen haben als Menschen, und in den Vorstandsetagen und Aufsichtsräten der 500 größten Unternehmen fast ausschließlich Menschen sitzen, muß man Ausgleich schaffen, wo es denn geht. Und solange nicht in Wien Ottakring 200 Männer erschossen werden, interessiert es hier eh keine Sau, daß die Erschossenen alle ein und das selbe Geschlecht hatten.

Schließlich wurden in Srebrenica auch bloß 8000 Bosniaken erschossen, während tausende bosnische Frauen vergewaltigt wurden. Erst im Wikipediaartikel zum Massaker selbst wird man unverhüllt damit konfrontiert, daß die Burschen und Männer gezielt aussortiert wurden, um anschließend umgebracht zu werden. Im Artikel zum Bosnienkrieg dagegen heißt es manipulativ:

Diese ermordeten nach der Eroberung der ostbosnischen Kleinstadt rund 8.000 bosniakische Einwohner.

Was unter der Überschrift “Opferzahlen” angeführt ist. Eine eigene Überschrift dagegen gewährt man den Frauen: “Massenvergewaltigungen”. Daß die Gesamtopferzahl der Toten, ebenso die unter der Zivilbevölkerung oder der in den Lagern Ermordeten nirgendwo nach Geschlechtern angeführt werden, versteht sich von selbst. Man will nicht den üblen Nachgeschmack entstehen lassen, daß unter den 40 Prozent zivilen Opfern 90 oder noch mehr Prozent Menschen waren, pardon, ich meinte: Männer.

Also liegt die Presse im Trend, dem des Volksempfindens, das bekanntlich ein gesundes ist. Herrscht nicht auf Wikipedia Demokratie? Und wird Wikipedia von den Konsumenten nicht gut angenommen?

Schreibt nicht sogar das Bundesministrium für Gesundheit und Frauen in seinen Leitlinien für z.B. Diagnostik und für Supervision für die Psychotherapeuten konsequent “die Psychotherapeutin” und die “Klientin” , “die Patientin”, “die Supervisorin” und “die Supervisandin” und gibt in einer Vorbemerkung bzw. Anmerkung cool darüber Auskunft, daß damit beide Geschlechter gemeint sind? Und werden diese Formulierungen von den Kolleginnen nicht gut angenominnen, äh, angenommen?

Der Staat weiß, was Frauen wünschen, und im Unterschied zu Bauknecht hat er nicht nur faktische sondern auch bürokratische Definitionsmacht bis hin zu Formularen für alles und jedes.

Die -Innenzeit ist vorbei, meine Damen*, sie war von vornherein nur als Übergangsphase gedacht. Denn wer -Innen liest, spricht denkend sowieso -innen, bevor sie als nächstes spontan – schon allein wegen der Redeflüssigkeit – auch laut -innen spricht. Sie haben es zuerst bei den Radio- und Fernsehsprecherinnen bemerkt, vielleicht auch bei sich selbst. Nun, das ist die Kunst des Nudging, wie die Angloamerikanerin sagt. Schubs für Schubs muß man die Konsumentinnen zu ihrem Besten führen, sanft aber konsequent. Dann machen sie bei allem mit, was die, die wissen, was ihr Bestes wäre, ihnen vorgeben. Das scheint postdemokratisch zu sein, aber, seien wir ehrlich, liebe Leserinnen, Demokratie ist sowas von vorgestern! Da könnte man ja bis zum Sanktnimmerleinstag warten, bis die Wählerin die Schritte in die Zuklunft von selbst macht. Das wäre unrealistisch. Der soziale Wandel geschieht nicht von allein. Das muß uns klar sein. Manche Konsumentinnen haben zum Beispiel bis heute mit den Frauenquoten Probleme, obwohl sie von den Unternehmerinnen gut angenommen werden. Sogar unter den Managerinnen herrscht noch immer das alte Vorteil, daß eine männliche Vorgesetzte einer weiblichen vorzuziehen wäre, wie eine aktuelle Befragung unter 700 weiblichen Führungskräften ergeben hat!

Man muß also die Journalistinnen der Presse nicht unbedingt zur Creme ihres Berufsstandes rechnen, aber die Leserinnen können jedenfalls damit rechnen, daß sie den Genderwandel nicht versäumen, wenn sie deren Produkte konsumieren. Um als Staatsbürgerinnen allerdings zumindest auf dem Weg zur wünschenswerten Höhe des Wandels zu sein, wäre allerdings die gelegentliche Lektüre des Standards, insbesondere der Standard, anzuraten. Dort findet die geneigte Leserin sowohl ein teilweise konsequentes -Innen als auch den nötigen Background zur endgültigen Eroberung der patriarchalischen Dämonen, ich meinte: Domänen.

Ob als Bürgerin, Wählerin oder Konsumentin, die Geschlechtergerechtigkeit ist noch lange nicht erreicht, und es liegt in der Verantwortung und Kompetenz jeder Einzelnen, die Empowerung der Frauen und Mädchen voranzutreiben!

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* Im Folgenden wird durchgängig die weibliche Form gemeint, die männliche ist mitgemeint.


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